Vertrauen und Verrat: Wem kann ich trauen?

In einem Moment möchte ich mich in Ashs Armen verkriechen und im nächsten könnte ich ihm den Hals umdrehen. Ist das normal? Ich offenbarte ihm mein tiefstes Inneres und er zieht sich immer mehr von mir zurück. Ich erkenne zwar in seinen Augen nach wie vor die Zuneigung, die er für mich empfindet, doch seine Worte sind kalt, und seine Bewegungen abweisend. Häufiger als sonst geht er auf Erkundungstouren und meidet meine Gesellschaft. Abgesehen von unseren gemeinsamen Übungen geht er mir aus dem Weg und auch Casseck will mir in meiner Einsamkeit keinen Trost spenden. Habe ich Ash mit meinen Gefühlen überrumpelt? Er hat mir gestanden, dass er meine Nähe anfangs nur gesucht hatte, um an Informationen über das Concordium zu gelangen. Quinn hatte es ihm befohlen. Er sollte einen Kontakt innerhalb unserer Gruppe knüpfen, damit er dem Hauptmann berichten konnte, falls etwas Ungewöhnliches passiert. Natürlich war ich zunächst geschockt, konnte es aber in Anbetracht der neuesten Entwicklungen durchaus nachvollziehen. Nicht zuletzt, weil ich selbst auch nicht ganz ehrlich zu ihm war. Wir alle spielen mehrere Rollen im Leben – doch das macht uns ja noch lange nicht zu Lügnern. Seine Aufgabe ist nicht immer leicht und erlaubt es ihm nur selten offen zu sein. Doch ich war davon überzeugt, dass nach allem, was zwischen uns war, die Karten auf dem Tisch lagen. Ich stellte mich ihm nicht nur als Kontaktperson zur Verfügung, ich war ein offenes Buch für ihn und doch stand irgendetwas zwischen uns.

Nach unserem letzten Training war seine Sehnsucht fast spürbar. Endlich schien er die Distanz zwischen uns überwunden zu haben. Wir waren uns so nah, dass es fast weh tat, an ihm zu zweifeln. Wir küssten uns und hielten uns fester als je zuvor. Ich war bereit, ihm mein Herz zu schenken und mich ihm gänzlich hinzugeben. Doch… Mit Verzweiflung im Blick lehnte er sich zurück und zog seine Hände von mir weg. Wie kalt von ihm, mich in einem so verletzlichen Moment im Stich zu lassen.

 

„Es gibt ein paar Dinge, die du nicht weißt, Sage.“

„Dann sag sie mir.“

„Bald, süße Sage. Ich verspreche es dir.“

 

Er schlang seine Arme um mich und küsste mich sanft ein letztes Mal. Der Ash, den ich kannte, entschwand in immer weitere Ferne. Ich fragte mich, ob er je wirklich existiert hat. War ich am Ende vielleicht doch nur auf seine Show hereingefallen? Ich, die ja angeblich so fähig ist, die Fassaden von anderen Menschen zu durchschauen. Und warum? Weil ich einen Prinzen wollte, ein Märchen.

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