Stille deine Sehnsucht

Bittersweet Academy: Veronika Mauel – All you need is love - Braucht ein Buch eine Liebesgeschichte?

Veronika Mauel verrät bittersweet heute, ob ein Buch Liebe braucht - und wie man nicht in Kitsch abrutscht

Braucht ein Buch eine Liebesgeschichte?

Für mich kann ich diese Frage mit einem klaren Ja beantworten. Ich denke, jeder hat ein Genre, das er für sich persönlich bevorzugt, jedoch sind es oft die Bücher, in denen Liebe eine zentrale Rolle spielt, die die Bestsellerlisten stürmen. Vor allem im Bereich Fantasy oder Young Adult. Ich denke, das ist ein Zeichen dafür, dass sich viele Menschen danach sehnen über das Glück der Liebe zu lesen.

Liebe ist so schön! Kein Wunder, dass in so vielen Büchern Liebesgeschichten ein zentrales Thema sind. Macht eine Liebesgeschichte ein Buch besser?

Ich würde nicht sagen, dass eine Liebesgeschichte ein Buch besser macht, aber ich finde, sie rundet eine Geschichte ab, verleiht ihr den nötigen Biss, einen Hauch Romantik und erfüllt eine stille Sehnsucht nach etwas, das wohl jeder im Herzen trägt – den Wunsch die einzig wahre Liebe zu finden und für immer zu halten.

Sind Liebesgeschichten leicht zu schreiben?

Ich denke das hängt von den Interessen des Autors ab. Ich könnte wohl niemals eine Horrorgeschichte schreiben, einfach weil ich mich in dieses Genre nicht einfühlen kann. Es liegt mir nicht. Dafür erinnere ich mich gerne an die Zeit zurück, als ich in dem Alter meiner Protagonisten war. An die durchweinten Nächte, in denen man vor Liebeskummer nicht schlafen konnte, die Schmetterlinge im Bauch und das heftig klopfende Herz, wenn man seinen Schwarm gesehen hat. Ich denke, ich kann mich nach wie vor ganz gut in diese Materie einfühlen und es macht mir Spaß beim Schreiben noch einmal "jugendlich zu sein".

Wie wichtig ist ein Happy End?

Ein Happy End ist für mich wahnsinnig wichtig und hat von Anfang an, wenn ich die Geschichte zu schreiben beginne, eine zentrale Bedeutung. Wünscht sich nicht jeder, dass eine heimliche Liebe erfüllt wird? Ich könnte jedenfalls nachts nicht mehr schlafen, wenn ich wüsste, dass eine/einer meiner Protagonisten auf ewig still vor sich hin leidet, weil ihm der Wunsch nach Zärtlichkeit und das ganz große Glück verwehrt wurde.

Wenn man keine Liebe in seinem Buch thematisieren möchte, wie kann man seine Protagonisten trotzdem gut darstellen?

Ich finde man sollte einfach realitätsnah schreiben. Das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen mit einfließen lassen und sich in die Hauptpersonen der Geschichte einfühlen. Zu erforschen, wie sie denken, wie sie sich fühlen. Sich Fragen stellen wie: Was würde ich als nächstes tun? Wie würde ich mich in dieser Situation verhalten? Man sollte auch die Hintergründe beleuchten und die Personen in sämtlichen Facetten darstellen. Sie authentisch wirken zu lassen, mit all ihren Stärken und Schwächen, das ist, denke ich, in jeder Geschichte sehr wichtig. Die Leser sollen sich in die Personen hineinversetzen, sich mit ihnen identifizieren können, verstehen, wieso und weshalb die Protagonisten so und nicht anders handeln.

Über Liebe zu schreiben ist gar nicht so einfach. Was rätst Du, damit man nicht in Kitsch abrutscht?

Auch hier rate ich, realitätsnah zu schreiben. Ehrliche Gefühle und Gedanken zu beschreiben. Sich in die Protagonisten einzufühlen. Liebe ist nicht nur rosa Herzchen und ein Himmel voller Geigen. Liebe kann auch schmerzhaft sein, sie kann verletzen, unsagbar wehtun und einen manchmal sogar an den Rand der Verzweiflung treiben. Ich denke man sollte den Mittelweg finden zwischen dieser rosaroten Brille und der Wirklichkeit. Außerdem sollten die Protagonisten eine Entwicklung durchmachen und nicht in dem Stadium des ausschließlichen "Verknalltseins" stehenbleiben. Auch ist es wichtig auf die richtigen Formulierungen zu achten. Nachdem der Leser beispielsweise das gefühlte 20. Mal Wörter wie "Adoniskörper", "abgöttisch", oder dergleichen gelesen hat, kommt es nicht mehr glaubhaft rüber und dann besteht schnell die Gefahr, dass die Geschichte verkitscht. Authentische Dialoge und verbale Schlagabtausche sind ebenfalls ausschlaggebend für eine tolle Liebesgeschichte ohne Kitschfaktor.

Was macht beim Schreiben von Liebesgeschichten besonders viel Spaß?

Meine Protagonisten befinden sich ja allesamt im Alter von 16-18 und es ist einfach schön, sich an die Zeit zurück zu erinnern, als man selbst in diesem Alter war. Diese heftigen Gefühle erlebt hat von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Es hilft einem ein Stück weit "jugendlich" zu bleiben, was oft gar nicht so übel ist, vor allem wenn man einem Sohn zu Hause hat, der gerade am Beginn der Pubertät steht. Außerdem bekommt man wahnsinnig viel Feedback von Lesern dieses Alters, die solche Geschichten nahezu verschlingen, weil sie vielleicht gerade das Gleiche oder eine ähnliche Situation erleben.

Hast Du einen Tipp für diejenigen, die gerade ihre erste Liebesgeschichte schreiben?

Fühlt mit dem Protagonisten! Stellt euch vor, ihr seid sie! Fühlt mit ihnen! Lacht, wenn auch sie lachen und vielleicht verdrückt ihr sogar mal ein Tränchen beim Schreiben, wenn eure Hauptpersonen gerade leiden. Lest viel in diesem Bereich. Schaut euch an, wie andere Autoren die Liebe beschreiben und macht daraus eure eigene Geschichte. 

 

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