Stille deine Sehnsucht

Vertrauen und Verrat: Immer wieder Ash

Ash macht große Fortschritte. Kaum zu glauben, dass er vor ein paar Tagen noch kaum ein Wort vorlesen konnte. Wahrscheinlich hat er sich damit abgefunden, dass sein intellektuelles Glück nun in meinen Händen liegt. Casseck meint, dass es seiner militärischen Laufbahn guttun würde, wenn Ash lesen könnte. Wenn wir über Nacht in Burgen und Höfen einkehren, sucht er meine Nähe. Oft sitzen wir bis spät in die Nacht in den Gärten oder über neuen Büchern in der Bibliothek. Etwas hat sich verändert, doch nicht nur zwischen uns. Es gibt Anzeichen für Unruhen im Land Demora. Je länger wir unterwegs sind, desto mehr ängstliche Blicke und offenes Misstrauen bekomme wir zu spüren. Die Soldaten sind unruhig und wachsamer als sonst. Ash will mir nicht sagen, was vor sich geht und auch die anderen beschränken sich auf standhaftes Schweigen. Wenn Ash zu seinen Erkundungstouren aufbricht, ertappe ich mich immer häufiger dabei, dass ich mir Sorgen um ihn mache.

Wir sind gemeinsam ausgeritten. In Hose und Leinenhemd hat er mich gar nicht erkannt und für einen gewöhnlichen Diener gehalten. Ash hat mich gepackt und wollte mich von den Pferden wegziehen, als er bemerkte, dass ich es war. Meine wilde Art bringt ihn aus dem Konzept. Augenscheinlich war es ihm peinlich, doch noch peinlicher ist es mir, dass ich seinen festen Griff um meinen Arm genoss. Ich habe in den letzten Wochen gelernt, seine Gesellschaft zu lieben – seine freundliche Art und das strahlende Lächeln, wenn sich unsere Blicke zufällig begegnen. Jeder seiner Blicke macht mich verlegen, jedes Lächeln, Zwinkern und noch so zaghafte Flirten ist wie ein Flattern in meinem Inneren. Ash war der einzige Mann, für den ich jemals Interesse gezeigt habe. Er konnte jede haben. Jede einzelne der aufgebrezelten Nattern in unserem Gefolge wäre entzückt gewesen, einen stolzen Soldaten heiraten zu können. Und trotzdem hat er nur Augen für mich.

Ich habe ihm meinen wahren Namen verraten und wer ich wirklich bin. Ich erzählte ihm Dinge über meine Vergangenheit und Kindheit, die ich niemandem sonst anvertrauen würde. Ash bringt mich zum Lachen, wo sonst nur Einsamkeit und Dunkelheit war. Und manchmal schaut er mich an, so als wäre ich das Einzige, was es auf der Welt für ihn gibt. Wenn ich mit Mistress Rodell über meinen Notizen brüte, vermisse ich seine Gesellschaft. Ash ist keine Option für das Concordium. Ich habe nicht die Absicht ihn als Kandidaten zu vermitteln. Sollte ich je mit dem Gedanken spielen, ihn zu verkuppeln, dann bin ich eigentlich der einzige Mensch, der in Frage kommt. Ich will ihn ganz für mich allein!

 

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