Obsidian-Bonusgeschichte: Der allerschönste Tag

Bald können wir mit »Revenge« wieder in die Welt der Obsidian-Serie abtauchen. Um Dir die Wartezeit auf den ersten Band des Spin-Offs, der am 30.11. erscheint, zu verkürzen, haben wir zwei Wattpad-Geschichten von Jennifer L. Armentrout aus dem Englischen übersetzen lassen. Dies ist die erste der zwei Geschichten. Die zweite folgt in der kommenden Woche. Und nun halten wir Dich nicht weiter davon ab, noch einmal in die Welt von Katy und Daemon abzutauchen. 

♥♥♥

»Warum bist du so nervös?«

Das war eine berechtigte Frage von Dee. Ich konnte gar nicht sagen, warum ich mich fühlte, als hätte ich eine Riesenladung Red Bull intus. Ich war superaufgeregt, obwohl es eigentlich keinen Grund dafür gab. Meine Hände zitterten richtig. Wenn ich mir selbst die Haare hätte aufdrehen müssen und nicht Dee, sähe ich jetzt vollkommen wild aus.

»Ich weiß, dass es albern ist«, antwortete ich und wand rastlos meine Finger umeinander. »Wir sind ja schon verheiratet.«

»Ja, ja, ich weiß, aber jetzt mal im Ernst, die andere Hochzeit war doch nicht echt«, antwortete Dee und hielt plötzlich, wie durch Magie, eine Haarnadel in der Hand.

Für Daemon und mich war die Heiratsurkunde mit den falschen Namen aus Las Vegas sehr wohl echt. Da konnten die anderen reden, so lange sie wollten, aber Namen taten nichts zur Sache und wir hatten es schließlich selbst erlebt.

Letztlich zählte ohnehin nur, wie sehr man jemanden liebte. Und es war weder menschlich noch übermenschlich möglich, dass Daemon und ich uns noch mehr liebten, als wir es taten, ohne die ganze Galaxie abzufackeln.

Doch die Leute, die uns nahestanden, hatten die Hochzeit gewollt, und ich musste zugeben, auch ich hatte die Hochzeit gewollt – und zwar mit allem Drum und Dran, und da ich sie gewollt hatte, wollte auch Daemon sie. Das war wahre Liebe.

Allerdings war ich mir ziemlich sicher, dass ich kurz davor war, mich zu übergeben.

Die Tür wurde geöffnet und jemand kam herein, aber als ich verstohlen in die Richtung linste, hielt Dee mir sofort den Lockenstab wie eine Waffe unter die Nase. »Denk nicht mal daran, deinen Kopf zu bewegen«, befahl sie.

Also presste ich die Lippen aufeinander und rührte mich nicht vom Fleck.

»Sie sieht aus, als wollte sie dich mit dem Ding erschlagen«, sagte jemand hinter uns und kicherte.

Erfreut erkannte ich Lesas Stimme, und wenn nicht wirklich die Gefahr beständen hätte, dass genau das geschähe, wäre ich aufgesprungen und hätte begeistert wie ein Seehund in die Hände geklatscht. »Lesa! Du hier!«

»Ich habe dir doch gesagt, dass ich komme! Um nichts in der Welt hätte ich mir dieses Ereignis entgehen lassen.« Ihre Stimme war jetzt ganz nah, und Dee legte eine Pause ein, um sie zur Begrüßung zu umarmen. Dann war ich an der Reihe und drückte Lesa von meinem Platz aus an mich. Anschließend ließ sie sich auf das Sofa vor mir fallen, damit Dee mich weiter mit Lockenstab und Haarnadeln malträtieren konnte. Lesa musterte mich. »Dein Make-up ist perfekt.«

»Auch das war mein Werk«, lobte sich Dee grinsend selbst.

Ich verdrehte die Augen und Lesa grinste ebenfalls, während sie sich eine widerspenstige Strähne aus dem Gesicht schob.

»Ich freue mich so sehr, dass du hier bist«, sagte ich und meinte es genau so. Ich war richtig gerührt. »Ich hatte Angst, dass du wegen des Wetters nicht würdest fliegen können.«

»Eine Weile sah es tatsächlich nicht gut aus. Es schneit immer noch, aber die Straßen sind jetzt größtenteils frei.« Sie strich über ihr bordeauxrotes Kleid. »Das ist ja ein traumhaftes Haus. Ich fühle mich wie in einer dieser Sendungen, in denen sie die Häuser von Superreichen vorstellen. Will ich überhaupt wissen, wie du dazu kommst, hier deine Hochzeit zu feiern?«

Ich grinste und musste unwillkürlich kichern – vor Freude und Aufregung. Das Haus war in der Tat einfach umwerfend. Es hatte mehrere Etagen und erinnerte mich an die palastähnlichen Anwesen aus den Liebesromanen, die in der Regency-Zeit spielten - mit Ballsaal und schier endloser Veranda.

»Es gehört einem von unserer Spezies«, antwortete Dee, während sie eine Locke aufdrehte und sie anschließend mit einer Nadel feststeckte, die sich mir dabei schmerzhaft in die Kopfhaut bohrte. »Sie haben es uns gern zur Verfügung gestellt.«

Unsere Spezies.

Zwei eigenartige und mächtige Worte, die in dieser neuen Welt, die sich immer weiterentwickelte, normal geworden waren. Zwei Worte, die wir aber außerhalb unseres engen Zirkels nach wie vor kaum auszusprechen wagten. Zwei Worte, die bei den Menschen Neugier, aber auch extreme Feindseligkeit hervorrufen konnten. Über solche Dinge wollte ich heute, an meinem Hochzeitstag, allerdings sicher nicht nachdenken.

Als nach der brutalen Schlacht zwischen den einfallenden Lux und den Menschen ein wenig Ruhe eingekehrt war, hatten Daemon und ich uns gemeinsam mit den anderen in Colorado niedergelassen. Danach hatte es Monate gedauert, bis ich Lesa wiedergefunden hatte. Sie und ihre Familie waren aus Petersburg fortgegangen, kurz bevor die Lux dort die Macht übernommen hatten, und in eine Stadt namens Chambersburg in Pennsylvania gezogen. Doch sobald wir den Kontakt hergestellt hatten und man wieder fliegen konnte, war sie nach Colorado gekommen.

Das Wiedersehen war bittersüß und auch ein wenig verrückt gewesen. Daemon hatte mich dazu ermutigt, Lesa die Wahrheit zu erzählen, warum wir verschwunden waren, ehe alles den Bach runtergegangen war. Seltsamerweise war sie gar nicht besonders überrascht gewesen und hatte es recht gut aufgenommen. Dennoch fiel es mir nach wie vor schwer, so offen damit umzugehen, wer wir waren.

»Ich glaube, ich sollte mir auch einen Alien suchen«, stellte Lesa fest und sah sich in dem edel eingerichteten Zimmer um, in dem wir uns befanden. »Ihr seid alle reich und seht fantastisch aus.«

Das war nicht immer so, doch wahrscheinlich hatte es keinen Zweck, das zu erwähnen. Abermals wurde die Tür geöffnet und dieses Mal kam Beth herein. Sie hatte die kleine Ashley auf dem Arm, die ein weißes Rüschenkleid mit einer bordeauxroten Schleife trug. Ihr dunkles Haar wurde mit Spangen zurückgehalten, was ihre Pausbäckchen noch besser zur Geltung brachte. Mit ihren wachen, amethystfarbenen Augen sah sie sich um.

Um ein richtiges Blumenmädchen zu sein, war sie noch zu jung. Ehrlich gesagt hätten wir uns auch zu sehr davor gefürchtet, sie könnte auf dem Weg zum Altar irgendetwas vollkommen Abgedrehtes anrichten, wie alle Stühle in der Luft schweben zu lassen oder so. Deshalb hatten wir sie lieber zum Ehrenblumenmädchen gemacht.

Beth lächelte Lesa schüchtern an, ehe sie Ash auf den Boden setzte. Wackelnd richtete sich die Kleine auf, um sich dann zielstrebig und mit erwartungsfroher Miene auf Lesa zuzubewegen. Während Ashleys weiße Riemchenlackschuhe auf dem Holzboden klapperten, blickte Lesa erst zu Beth und dann zu uns. »Ähm, was will sie von mir?«

Ich lachte, denn bei Ashley war das eine sehr gute Frage.

»Wahrscheinlich will sie dich nur eine Weile anstarren, bis ihr langweilig wird. Tut mir leid, aber sie ist bereits in der Phase, in der sie ein bisschen unheimlich sein kann«, erklärte Beth entschuldigend und errötete. Anschließend wandte sie sich Dee und mir zu. »Der Ballsaal ist fertig. Er sieht einfach toll aus. Die Idee, alles weihnachtlich zu schmücken, war super.«

»Mir hätte nach wie vor die Farbe pink als Thema besser gefallen«, grummelte Dee.

Ich war so schlau, mir jeglichen Kommentar zu verkneifen.

»Fertig!« rief sie einen Moment später und trat einen Schritt zurück.

Mir wurde auf einmal flau im Magen. Meine Brautjungfern waren da. Ich war gestylt und der Saal war bereit. In weniger als einer Stunde würde ich heiraten. Oha.

Mit weichen Knien stand ich auf und ging zu dem ovalen Standspiegel. »Wow«, murmelte ich. »Du hast dich selbst übertroffen.«

Dee lachte. »Stimmt.«

Das Make-up war dezent und elegant. Für die Smokey Eyes hatte sie einen nicht zu dunklen Lidschatten gewählt und meine Wangen schimmerten zart pfirsichfarben. Auch das Rosa der Lippen sah ganz natürlich aus. Und die Frisur war der reinste Wahnsinn. Nie hätte ich geglaubt, dass man aus meinem Haar so viel machen konnte. Dee hatte es kunstvoll aufgedreht und locker hochgesteckt, wobei sie an bestimmten Stellen einige Strähnen wie zufällig heraushängen lassen hatte.

»Jetzt fehlt nur noch das Kleid«, stellte Lesa fest und nahm es von dem Haken, an dem es noch verpackt hing.

Ich begann den Knoten meines Morgenmantels zu lösen und fragte mich, wie seltsam die Mädels es wohl finden würden, wenn ich jetzt einen kleinen Tanz aufführte. Doch plötzlich musste ich an meine Mom denken, was mir sofort einen Stich versetzte.

Sie hätte auch hierhergehört.

Es war unendlich schwer, sie in dieser Situation nicht zu vermissen und mich nicht meinem Kummer hinzugeben. Dennoch versuchte ich, nicht länger darüber nachzudenken, denn ich war mir sicher, dass meine Mom auf keinen Fall gewollt hätte, dass ich an meinem Hochzeitstag unglücklich war.

An der Tür war ein Klopfen zu hören. Ich drehte mich überrascht um. Eigentlich waren alle da, die hier sein sollten.

»Ja?«, rief Beth.

Die Tür schlug auf und sofort begann mein Herz höher zu schlagen.

Daemon betrat den Raum. Wie vom Donner gerührt hielten alle in ihren Bewegungen inne. Im ersten Moment konnte ich ihn nur anstarren. Er trug einen schwarzen Smoking mit passender bordeauxroter Weste darunter und - wow und nochmals wow - niemand sah im Smoking so gut aus wie Daemon Black.

Ich war nicht in der Lage, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen.

Sein sonst meist wuseliges Haar war gebändigt und sein markantes Kinn glattrasiert. Die leuchtend grünen Augen funkelten. Ohne sich im Raum umzusehen, ging sein Blick direkt zu mir.

Was mich überrascht hatte, war, dass ich, wohl vor lauter Emotionen, sein Kommen gar nicht gespürt hatte. Wundern sollte es mich allerdings nicht.

Denn Daemon scherte sich nicht um Konventionen und war deshalb auch einfach hier hereingestürmt.

Dee, die aus ihrer Starre erwacht war, fuhr ihn an: »Was tust du? Du darfst hier nicht sein! Das bringt -«

»Sei still«, brachte er seine Schwester zum Schweigen und ein schiefes Grinsen erschien auf seinem Gesicht, während er seinen Weg unbeirrt fortsetzte.

Verzweifelt fuchtelte Dee mit den Händen in der Luft. »Du bist so unglaublich nervig!«

Daemon hörte nicht auf sie, sondern kam jetzt direkt auf mich zu. Mit großen Augen sah ich ihn reg- und sprachlos an. Das schiefe Grinsen wurde zu einem breiten Lächeln, das die Grübchen auf seinen Wangen zum Vorschein brachte.

Er legte einen Arm um meine Taille und schob die andere Hand in meinen Nacken. Mir stockte der Atem. In nächsten Moment hob er mich hoch und drückte mich an sich, und durch den dünnen Morgenmantel und die zarte Spitzenunterwäsche darunter fühlte es sich an, als wäre rein gar nichts mehr zwischen uns.

Als er dann den Kopf senkte und mich küsste, war es kein flüchtiges Küsschen. Es war auch kein artiger Kuss, nein, er küsste mich so langsam, intensiv und leidenschaftlich, dass mir das Blut heiß durch die Adern schoss. Unsere Zungen fanden und woben sich umeinander, was mich vollkommen vergessen ließ, dass wir nicht allein waren.

Schließlich hob er den Kopf ein kleines Stück, unsere Lippen waren sich aber noch immer so nah, dass sie sich berührten, als er sagte: »Sieh zu, dass du fertig wirst, Kätzchen. Es ist Zeit für die zweite Runde.«

Ashley klatschte quiekend in die Hände.

Wie von Sinnen starrte ich Daemon an.

Langsam stellte er mich wieder auf die Füße, ließ die Hände aber noch an meinem Körper liegen, bis ich mein Gleichgewicht gefunden hatte. Dann drehte er sich abrupt um und zwinkerte nur noch kurz Lesa zu, ehe er den Raum verließ und die Tür hinter sich schloss.

»O. Mein. Gott«, murmelte Lesa.

»Er ist … er ist einfach …«, stammelte ich benommen.

»Er ist einfach Daemon«, seufzte Dee und schüttelte angewidert den Kopf. »Ohne jeglichen Sinn für Tradition, das Arschloch.« Als Ashley kicherte, fuhr sie erschrocken herum. »Ups, tut mir leid, das hast du nicht gehört.«

Beth hob skeptisch eine Augenbraue, ehe sie sich mir zuwandte. »Aber er hat recht, du musst wirklich zusehen, dass du fertig wirst.«

Die nächsten Minuten nahm ich wie durch einen Schleier wahr, weil ich mich noch immer von dem aufregenden Kuss erholte.

Sie zogen mir den Morgenmantel aus und streiften mir behutsam das Kleid über. Es hatte viele Knöpfe, so viele, dass ich mir schon jetzt lebhaft vorstellen konnte, wie Daemon später die Geduld verlieren würde.

Der Gedanke trieb mir die Röte ins Gesicht.

Das Kleid war atemberauend, auf Taille geschnitten und mit einem weit ausgestellten Rock, dessen Stoff schimmerte, wenn ich mich drehte. Ich fühlte mich wie eine Prinzessin - kitschig und doch war es wahr. Das enganliegende Oberteil hatte einen herzförmigen Ausschnitt und war mit winzigen Perlen bestickt, die sich locker verstreut auf dem Rock fortsetzten.

Als ich mich im Spiegel betrachtete, dachte ich: Unglaublich, jetzt sehe ich tatsächlich wie eine richtige Braut aus.

»Du bist wunderschön«, sagte Dee und drückte mir einen Kuss auf die Wange.

Lesa kam ebenfalls näher. »Finde ich auch.«

»Ich auch.« Beth hatte Ashley wieder hochgenommen und sie sich auf die Hüfte gesetzt. »Bist du bereit?«

Ich nickte, holte tief Luft und blinzelte ein paar alberne Tränen fort. »Danke, euch allen. Das meine ich ernst. Ich bin so froh, dass ihr da seid.«

Dee lächelte und obwohl sie mit den Händen vor ihrem Gesicht herumwedelte, sah ich, dass auch ihre Augen feucht waren. »Gut, wir sollten uns beeilen runterzugehen, bevor wir noch unser schönes Make-up ruinieren.«

Ich lachte, aber sie hatte recht. Offenbar hatten wir alle nah am Wasser gebaut, weshalb wir – jede mit ihrem Weihnachtssternsträußchen - schnell den Raum verließen.

Der Weg zum Ballsaal war endlos lang und verging doch viel zu schnell. Es war wie im Traum. Als wir die mit Obsidian besetzte große Doppeltür erreichten, schlüpften die Mädchen hinein. Gleichzeitig trat Archer heraus und blieb lange genug stehen, um Dee auf die Wange zu küssen.

Mein Sträußchen fest in der Hand wartete ich, denn es war geplant, dass er mich zum Altar geleiten würde.

Er trug einen ähnlichen Smoking wie Daemon und seine unheimlichen violetten Augen kamen mir heute strahlender denn je vor. »Nur damit du’s weißt, Daemon ist genauso nervös wie du, auch wenn er ganz cool tut.«

Mir entwich ein ersticktes Lachen. »Hast du dich in seinem Kopf herumgetrieben?«

»Darauf kannst du wetten.«

Ich schüttelte den Kopf. »Du weißt, wie sehr er das hasst.«

»Auch darauf kannst du wetten.« Noch immer grinsend hielt er mir seinen Arm hin und ich hakte mich bei ihm unter. »Du siehst umwerfend aus, Kat. Echt.«

»Danke«, antwortete ich und rang nach Atem. Mein Herz pochte so schnell und laut, dass ich weder hörte, wie die Tür geöffnet, noch, wie der Hochzeitsmarsch gespielt wurde. Ich bewegte mich nur vorwärts, weil Archer losgegangen war, auch das war wohl Teil des Plans.

Als wir denn Ballsaal betraten, blinkten an der Decke und an den Wänden überall Lichter. Riesige Bouquets aus Weihnachtssternen und weißen Rosen schmückten den Raum, und der elfenbeinfarbene Teppich war mit weißen und roten Blütenblättern übersät.

Die Anzahl der Gäste war überschaubar. Wir hatten unsere Freunde aus der Lux-Gemeinschaft eingeladen, aber auch einige meiner Kommilitonen von der Uni. Auf dem Weg zum Altar fiel mir besonders ein grinsendes Gesicht ins Auge.

Luc.

Er saß ziemlich weit vorn und schaukelte eine zufriedene Ashley auf dem Schoß, die Weihnachtssternblätter zwischen ihren Fingern zerquetschte. Eigentlich sollte er bei Daemon stehen, aber wahrscheinlich hatte Ashley angefangen, seltsame Origin-Baby-Dinge zu tun, und er war deshalb kurzfristig als ihr Babysitter bestellt worden. Er zwinkerte mir zu, als ich an ihm vorbeischwebte, und Ashley hob winkend die Faust.

Okay, los ging’s.

Mein Blick wanderte erst zu den Mädchen und dann zu Dawson, der neben Daemon stand. Sobald ich ihn erblickte, waren alle anderen vergessen.

Wir sahen uns an und die Liebe, die aus seinen Augen sprach, war so groß und stärker als alles, was ich je zuvor erlebt hatte. Selbst als mich Archer an Daemon übergab und sich neben Dawson stellte, konnte ich den Blick nicht von ihm abwenden.

Er sah mich eindringlich an und ehe der Lux-Liturg zum Sprechen ansetzte, sagte er: »Du bist das Allerschönste, was meine Augen je wahrnehmen durften.«

»Du auch«, antwortete ich ein wenig einfältig.

Seine Mundwinkel zuckten. »Kätzchen …«

Meine Wangen glühten und der Liturg räusperte sich, um mit der Zeremonie zu beginnen. Ehrlich gesagt hatte ich keine Ahnung, worüber der Mann – ähm, Alien – sprach. Ich nahm lediglich seine sanfte, kultivierte Stimme wahr, die durch den Saal schallte. Ansonsten war meine gesamte Aufmerksamkeit auf Daemon gerichtet, auf unsere im Gleichklang schlagenden Herzen.

Sein Lächeln wurde im Verlauf der Zeremonie immer breiter, bis einmal mehr beide Grübchen sichtbar waren, und ich wusste, dass ich den gleichen Gesichtsausdruck hatte. Tränen stiegen mir in die Augen und als sich eine ihren Weg hinab bahnte, wischte Daemon sie mir mit dem Daumen ab, den er anschließend liegen ließ. Ich glaubte jemanden, wahrscheinlich war es Dee, schniefen zu hören.

Dann sagte Daemon: »Ja, ich will.«

Als ich an der Reihe war, die entscheidende Formel zu wiederholen, zitterte meine Stimme, doch die letzten beiden Worte kamen mir glasklar über die Lippen: »Ich will.«

»War doch klar«, kommentierte Daemon schelmisch.

Gelächter wurde laut und noch ehe ich darauf reagieren konnte, küsste Daemon mich – er küsste mich wie zuvor, nur noch intensiver, leidenschaftlicher und bedeutungsvoller.

»Dass Sie die Braut jetzt küssen können, brauche ich wohl nicht mehr zu sagen«, stellte der Liturg amüsiert fest.

Wieder wurde gelacht, und als Daemon nach langer Zeit seine Lippen von meinen löste, glühten seine Pupillen so strahlend wie geschliffene Diamanten.

Dann drehte sich Daemon mit mir um, sodass wir unsere Gäste ansahen, und der Liturg verkündete. »Darf ich vorstellen: Mr und Mrs Black.«

Alle erhoben sich und applaudierten johlend. Ashleys fröhliches Kreischen war dennoch zu hören. Ich wollte einen Schritt vorwärts gehen, doch Daemon hielt mich zurück und im nächsten Moment fand ich mich an seine Brust gedrückt wieder. Wie durch ein Wunder fiel mir das Sträußchen nicht aus der Hand, als ich ihn ebenfalls umarmte.

Die Leute johlten immer lauter, während ich lachte und er mich abermals küsste, bis ich keuchend und benommen nach Luft schnappte.

»Du bist schrecklich«, flüsterte ich ihm ins Ohr.

Daemon grinste und drückte mich noch fester an sich. »Genau deshalb liebst du mich doch.«

»Da hast du recht«, sagte ich mit einem strahlenden Lächeln und presste meine Stirn an seine.

♥♥♥

Hat Dir diese Bonusgeschichte Lust auf mehr gemacht? Am 30.11. erscheint »Revenge«, der erste Band des Obsidian Spin-Offs als Hardcover. Du kannst es schon jetzt vorbestellen oder bereits als E-Book lesen. 

Kommentare und Bewertungen

Es wurden noch keine Kommentare eingestellt.

Willkommen bei Bittersweet! Wir verwenden Cookies, um die Inhalte unserer Webseite sinnvoller zu gestalten, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren. Weitere Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung.