Die Schattenseiten der Wasserkolonie

Schattenseiten der Wasserkolonie

„Hallo! Ich bin‘s wieder. Kenzie. Hat Dir gefallen, was ich Dir bis jetzt über meine Heimat erzählt habe? Heute möchte ich Dir noch ein paar mehr Dinge erzählen, vor allem jene, die ich persönlich nicht so gut finde. Ich habe Dir beim letzten Mal von den Repräsentativen erzählt. Du erinnerst Dich? Das sind die jungen Frauen und Männer, die zur Verständigung unter den Kolonien zu dem jeweils anderen Volk gesandt werden. Meine beste Freundin Nilam wurde auch auserwählt. Und obwohl das eine große Ehre für sie ist, ist es trotzdem sehr, sehr traurig für ihre Familie und ihre Freunde. Wir werden sie nie mehr wiedersehen! Wir werden nicht erleben, wie ihre Kinder aussehen oder wie sie sich als Mutter macht. Wir werden nie wieder zusammen lachen oder uns in den Arm nehmen können. Alle wichtigen Ereignisse in ihrem Leben wird sie von nun an mit fremden Menschen der Luftkolonie teilen müssen. Dazu kommt, dass sie sich ihren Mann nicht selbst aussuchen darf, wie es die üblichen Frauen der Wasserkolonie tun. Ihr wird jemand zugeteilt, der qualitativ hochwertige Gene hat, um mit diesem ebenso qualitativ hochwertigen Nachwuchs zu zeugen.

Apropos Nachwuchs. Frauen genießen zwar ein sehr hohes Ansehen im Wasservolk, doch sie können ihr Leben nicht frei gestalten. Sie müssen ihren Beitrag zum Erhalt der Kolonie leisten! Das heißt, sie dürfen nicht jeden Beruf ergreifen. In der Regel müssen sie auf dem Feld arbeiten oder Fische ausnehmen. Vor allem aber müssen sie gesunden Nachwuchs zur Welt bringen. Der Erhalt der Population ist somit die wichtigste Aufgabe der Frauen in der Wasserkolonie. Jede Frau, die dieser Aufgabe nicht nachkommen kann, wird verbannt. Sie trägt dann, laut den Ältesten, nichts zum Erhalt der Gemeinschaft bei und soll deshalb auch nicht die Vorzüge der Kolonie genießen können.

Und damit sind wir bei einer ganz düsteren Seite der Kolonie angelangt: Alle Menschen, die der Gesellschaft nicht dienen wollen oder können, werden verbannt. Dazu zählen Menschen, die irgendwie anders sind, sich den strengen Regelungen nicht beugen wollen und eben auch Frauen, die unfähig sind Kinder zu kriegen. Das passiert zwar selten, aber es kommt vor. Du denkst Dir, verbannt zu werden ist nicht so schlimm? Doch, ist es! Die Menschen werden auf dem spärlich verbliebenen Festland ausgesetzt. Dort gibt es kaum mehr Vegetation und die Lebensbedingungen sind extrem rau! Dazu kommt, dass die verbliebene Landfläche immer weiter unter dem Wasser verschwindet. Um es kurz zu sagen: Der Tod ist den Verbannten ziemlich sicher.

Klingt ungerecht? Das finde ich auch. Mit dieser Meinung bin ich hier allerdings relativ allein. Die meisten sind stolz drauf, wenn sie die Rolle ausfüllen können, die die Gesellschaft von ihnen fordert. Manche ächten die Verbannten ohne Mitgefühl und zerreißen sich die Mäuler über diese. Ich schätze, dahinter steckt die Angst, selbst so zu enden; allerdings macht es das auch nicht besser. Die meisten Menschen sind hier nur freundlich, solange Du das Wohl der Gemeinschaft über Dein eigenes stellst. Wenn Du eigene Pläne oder Wünsche hegst, giltst Du als egoistisch und läufst Gefahr, verbannt zu werden. So sieht‘s aus!

Sicher, das Leben in der Kolonie bringt sehr viele Vorteile mit sich. Ohne die Gemeinschaft wäre es nur schwer, zu überleben. Jetzt, wo Du nun auch die Schattenseiten kennst – was würde Dich hier am meisten stören? Ich bin auf Deine Meinung gespannt.“

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Kommentare und Bewertungen

Maja Köllinger
07.03.2017
Hallo Kenzie :) Zunächst habe ich gedacht, dass die Wasserkolonie so harmonisch und friedlich wirkt, eine kleine Gemeinschaft, in der jeder jedem hilft. Doch offenbar ist dem nicht so. Ganz besonders schrecklich finde ich das Schicksal deiner Freundin Nilam. Ihr wird ihre freie Wahl einfach genommen und sie muss sich selbst in der Luftkolonie den Regeln der Wasserkolonie fügen. Das finde ich furchtbar! Aber wer weiß, vielleicht findest du ja eine Lösung für diese heikle Situation. Liebe Grüße Maja
Lisa N
07.03.2017
Die Frage, die mir gerade auf der Zunge brennt, liebe Kenzie, ist, wie findet dieser Austausch statt? Ich hoffe, das erfahre ich in einem nächsten Bericht. :) Ich finde das auch äußerst unfair, du bist nicht alleine! Es ist unglaublich unmenschlich, denn niemand hat das Recht, einen Menschen als 'gut' oder 'unnütz' zu beurteilen und somit sein Schicksal zu besiegeln! Außerdem hat auch niemand das Recht, den 'Nomaden' das 'zivilisierte' Leben zu verweigern und sie somit auf eine niedrigere Ebene zu stellen oder in ihrem Wert herabzustufen! Ich glaube, ich käme mir in dieser Kuppel wie eine Gefangene vor, die aber gleichzeitig die Möglichkeit zu Überleben auskostet...Ein großer Zwiespalt. Ich bin gespannt, mehr zu hören. Grüße, Lisa
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