Stille deine Sehnsucht

Das Leben in der Wasserkolonie

Das Leben in der Wasserkolonie

„Hallo Du! Ich bin Kenzie und gehöre dem Wasservolk an. Wir leben als Kolonie in einer riesigen Glaskuppel unter dem Meerspiegel. Diese besteht vor allem aus besonders dicken Stahlträgern, um dem Wasserdruck zu trotzen. Dazwischen wurde dickes Glas eingesetzt, damit wir in das tiefdunkle Blau des Meeres schauen können. Hin und wieder kann man eines der wundersamen Unterwasserwesen beobachten! Ursprünglich wurde die Kuppel noch an Land gebaut, bis sie dann nach und nach vom Meer verschluckt wurde. Nur noch besonders hoch über dem ursprünglichen Meeresspiegel liegende Gebirge ragen aus dem Wasser heraus.

Ich informiere mich sehr gerne darüber, welche Länder es vorher gab, und stelle mir vor, wie die Menschen auf dem Festland gelebt haben. Unter freiem Himmel! Du musst wissen, ich selber habe nämlich noch nie die Sonne gesehen. Damit es auf dem Meeresboden nicht so dunkel ist, wurde das Dach der Kuppel mit UV-Strahlern ausgestattet, die das Licht der Sonne imitieren. Gegen Abend wird das Licht langsam ab- und morgens wieder aufgedimmt. Das funktioniert ziemlich gut und lässt auch die Pflanzen wachsen. In unserer Bibliothek habe ich gelesen, wie wichtig das Licht für Lebewesen ist. Unsere Bibliothek ist übrigens mein absoluter Lieblingsort. Du ahnst es schon: Ich lese sehr gerne.

Das Leben in der Glaskuppel wird sorgfältig geplant. Hier hilft jeder jedem. Wir haben kein Geld, es findet eher ein Austausch von Waren und Dienstleistungen statt. Jeder hat hier seine Aufgabe und trägt mit seiner Arbeit zum Erhalt der Gesellschaft bei. Dabei bekommt jeder, was er braucht, und keiner muss sich Sorgen machen. Unsere Gesellschaft ist übrigens nicht sehr groß, wir sind ungefähr 5000 Menschen. Du kannst Dir die Kolonie vorstellen wie ein größeres Dorf oder eine sehr große Familie.

Die Frauen werden hier sehr geschätzt und haben in den Familien das Sagen. Auch älteren Menschen wird bei uns eine besondere Wertschätzung zuteil. So sind die ältesten Mitglieder der Gemeinschaft die Oberhäupter der Kolonie. Mit ihrer Weisheit und ihrem Wissen sorgen sie sehr verantwortungsbewusst für das Wohl und den Erhalt der Gemeinschaft.

Übrigens sind wir nicht die einzige Kolonie unter dem Meeresspiegel. Es gibt auch noch weitere Glaskuppeln. Ich habe zwar noch nie eine andere gesehen – geschweige denn besucht – aber ich weiß von unseren „Entdeckern“, dass in den anderen Unterwasserkuppeln teilweise ganz andere Regeln gelten als bei uns. So gibt es zum Beispiel andere Wasservölker, die eine Währung haben und Waren mit Schachfiguren bezahlen. Die Entdecker sind übrigens eine Art Meeresforscher, die alles untersuchen, was mit dem Ozean zu tun hat.

Im Laufe der Jahre haben sich noch weitere Kolonien gebildet: In der Luft! Das sind Gemeinschaften wie die der Wasservölker. Diese Menschen leben in riesigen Glaswürfeln, die über dem Wasser schweben. Um zu kommunizieren und die Vielfalt des Genpools zu erhalten, haben wir gemeinsam mit dem Luftvolk eine Tradition: Jährlich gibt es einen Austausch der sogenannten Repräsentativen.  Repräsentative sind 18-jährige Jungen und Mädchen, die bereits im Alter von zehn Jahren dazu erwählt werden, die eigene Kolonie zu verlassen. Sie sollen mit jemandem aus der jeweils anderen Kolonie gesunde Nachkommen zeugen und damit das Fortbestehen der Menschheit sichern. Entsprechend werden Repräsentative nach der Qualität ihrer Gene ausgesucht – nur die Klügsten und Schönsten kommen in Frage. Nachdem die Auswahl der Repräsentativen feststeht, bekommen sie eine besondere Ausbildung, damit sie unser Wissen und Know-how an das Luftvolk weitergeben können. Umgekehrt kommen auch Repräsentative aus dem Luftvolk zu uns. Meine beste Freundin hatte Glück. Nilam ist dieses Jahr dabei. Sie wird einen tollen Mann haben und ihr Leben in der Luftkolonie verbringen.

So! Nun habe ich Dir aber erst einmal genug über meine Heimat erzählt. Jetzt interessiert mich natürlich, was für einen Eindruck Du von der Wasserkolonie bekommen hast – was gefällt Dir an meiner Heimat am besten? Ich bin schon ganz gespannt, Deine Meinung zu hören!“

 

Antworte Kenzie auf ihre Frage in den Kommentaren unter dem Aktionspost bei Facebook und Instagram oder gleich hier auf der Website.
 

Kommentare und Bewertungen

Franzi Mayer
05.03.2017
Hallo kenzie, an deiner Welt gefällt mir besonders gut die Bibliothek. Auch ich lese gerne. Mich beeindruckt aber auch dass ihr die Wesen im Meer sehen könnt. Liebe Grüße Franzi
Maja Köllinger
07.03.2017
Hallo Kenzie :) Ehrlich gesagt fürchte ich mich vor tiefen Gewässern und dem offenen Meer, doch ich denke, dass das Leben in der Wasserkolonie eine ganz andere Perspektive ermöglicht. Ich würde gerne einmal die tiefsten Tiefen des Meeres durch das Glas sehen und mir bewusst machen, wie klein und unbedeutend wir Menschen im Angesicht solch einer Naturgewalt sind. Ich stelle mir diesen Augenblick vollkommen atemberaubend vor! Ich könnte vermutlich tagelang dastehen und mich einfach nur vom Anblick des Wassers treiben lassen. ♡ Liebe Grüße Maja
Lisa N
07.03.2017
Hallo Kenzie. Leben unter Wasser klingt furchtbar interessant. Aber ist es nicht deprimierend, immer von einer tiefblauen/fast schwarzen Decke eingehüllt zu sein? Ich fände das beängstigend, auch trotz der LED Strahler . Trotzdem ist es gleichzeitig sehr aufregend darüber zu lesen und ich würde es gerne mit eigenen Augen sehen - und erleben. Grüße, Lisa