Märchen Makeover - Gewinnergeschichte 10

So zart wie die Liebe

von Lisa Ehresmann

„Und hast du heute schon was vor?“, fragt Andrew und hebt seine Augenbrauen, als ich zu ihm aufsehe. „Nein, warum?“, antworte ich und wühle dabei gedankenverloren in meiner Tasche herum, auf der Suche nach meinem Notizbuch. Doch es ist nicht mein Notizbuch, das ich schließlich in der Hand halte, sondern mein Tagebuch mit dem roten Samtumschlag. Ich schlucke meinen Schock hinunter und stopfe es schnell in die Tasche zurück.
„Valerie?“, höre ich Andrew sagen und schaue wieder auf, das Tagebuch in meiner Tasche fest umklammert.
„Was?“, frage ich, denn ich hatte ihm nicht zugehört.
„Ob wir heute ins Kino gehen?“
„Ja. Nein. Ich- ich ruf‘ dich an, okay?“, und ohne eine Antwort abzuwarten, haste ich die Schulflure entlang und komme mit quietschenden Schuhen vor meinem Spind zum Stehen. Ungelenk öffne ich ihn und schiebe das Tagebuch schnell unter meine Cheerleaderuniform, staple noch ein paar Bücher darauf und schließe den Spind mit einem Krachen. Ich rüttle und zerre an dem Schloss, aber es lässt sich nicht öffnen. Zum Glück. Ich atme tief durch und sinke leicht gegen die metallene Wand aus tausenden von Spinden. Das Metall kühlt meine Wange herrlich und schließlich rapple ich mich doch auf zur nächsten Stunde. Auf meinem Weg zum Klassenraum komme ich an meinen Wahlplakaten für meine Kandidatur als Schülersprecherin vorbei und ich mag mir gar nicht ausmalen was es für bittere Folgen hätte, sollte irgendwer mein Tagebuch in die Finger kriegen.

Als die Schule endlich vorbei ist, mache ich mich sofort auf den Weg zu meinem Spind, statt noch mit den Cheerleadern und ein paar Jungs in die Stadt zu gehen. Ich verabschiede mich von meinen Freundinnen und bin froh, endlich verschwinden zu können und mein Tagebuch wieder an einen sicheren Platz in meinem Zimmer zu bringen. Dort, wo es keinen Schaden anrichten kann.
Angespannt drehe ich an meinem Zahlenschloss mit einem Gefühl in der Brust, als würde ich eine scharfe Bombe transportieren. Ich öffne meinen Spind, schiebe die Bücher von meiner Uniform und schiebe meine Hand unter den Stoff- und ertaste nur den kühlen Boden meines Spinds. Nein, nein, nein. Hastig hole ich meine Uniform aus dem Spind und staple die Bücher auf dem Boden. Mein ganzes Make-Up fege ich in meine Tasche. Immer noch nichts. Es ist nicht da. Gestohlen.
„Oh nein. Das darf nicht wahr sein!“, murmle ich und werfe alles wieder in den Spind, bevor ich ihn mit Schwung zuknalle.
„Na, läuft mal nicht alles wie Madame Perfekt es sich vorstellt?“, flüstert eine Stimme hinter mir. Ich drehe mich um und sehe in die Augen von Gustin, dem Vorsitzenden des IT-Clubs.
„Was hast du denn hier zu melden du Nerd!“, zische ich. „Verzieh dich oder es könnte ziemlich unangenehm für dich werden!“
Gustin wirft mir einen vernichtenden Blick zu, weicht aber ein paar Schritte zurück, dreht sich schließlich um und verschwindet. Jeder weiß, dass man sich nicht mit mir anlegen sollte. Captain der Cheerleader und bald auch Schulsprecherin, mit mir will es sich niemand verscherzen.
Seufzend schaue ich wieder in meinen Spind und beginne alles von neuem zu durchwühlen, aber es hat keinen Sinn. Mein Tagebuch ist wie vom Erdboden verschluckt und ich mag mir nicht in meinen schlimmsten Träumen vorstellen, was jetzt passiert.

Am Abend telefoniere ich mich Gwen und schildere ihr verzweifelt die Lage. Am liebsten hätte ich nach Gustins Kommentar die ganze Schule umgekrempelt und jeden einzelnen Schüler verhört. Aber selbst für eine der beliebtesten Schülerinnen ist das unmöglich.
„Und als ich aus dem Unterricht kam, da war es einfach weg. Gestohlen!“, erzähle ich gerade.
„Oh Valerie das ist ja der Horror. Aber bist du sicher, dass es jemand gestohlen hat?“
„Ja, hundertprozentig! Ich habe überall gesucht und es ist nicht da.“
„Was ist denn das Schlimmste was drin steht?“, fragt Gwen und ich höre die unverhohlene Neugier, die sie zu verbergen versucht.
Ich schlucke. „Oh Gwen.“, jammere ich. „Das wird mich den Sitz der Schulsprecherin kosten!“
Als ich endlich ins Bett gehe, ist es schon später Abend, aber ich kann, obwohl ich furchtbar müde bin, nicht einschlafen. Tausend Möglichkeiten schwirren mir durch den Kopf und ich kann sie nicht zum Schweigen bringen. Es steht alles in meinem Tagebuch, was ich jemals gedacht oder gefühlt habe. Es würde alles zerstören. Nach endlosem hin- und herwälzen schaffe ich es doch endlich einzuschlafen, aber selbst im Schlaf plagen mich furchtbare Alpträume.

Liebes Tagebuch,
Janice ist so eine Schlampe. Hat sie sich heute doch tatsächlich an Noah rangemacht, erbärmlich. Sie sollte endlich kapieren, dass sie es nicht mit mir aufnehmen kann. Und verstehen, dass sie sich beim Cheerleading nur lächerlich macht auch. Aber trotzdem ist dieser Idiot drauf angesprungen…
Am Wochenende hatte Lillian Geburtstag, aber statt einer fetten Party gab es einen 8. Klasse Mädchenabend. Total peinlich. Mehr erlauben ihre Eltern nicht, hat sie gesagt. Und dann sah sie auch noch total schrecklich aus. Als wir im Badezimmer waren, habe ich gesehen dass sie sich nicht rasiert. Das ist ja mal sowas von übel. Mal ehrlich, als ob irgendein Typ auf sowas stehen würde. Die würden reihenweise davonlaufen, was übrigens einiges erklärt.
XXX Valerie

Ich kann nicht glauben, was ich da gerade lese. Mein Blut gefriert zu Eis, kocht über, gefriert wieder. In meinem Gesicht herrscht ein ständiger Wechsel zwischen heiß und kalt, als ich schließlich wie eine rasende Dampflock anfange, die hunderte Zettel abzureißen, die überall an den Spinden kleben. Überall ist dieser Tagebucheintrag zu lesen. Es kleben sogar Zettel in den Toilettenkabinen und am Lehrerzimmer.
„Aus dem Weg!“, kreische ich und stopfe die Zettel in den Müll. Aber es ist hoffnungslos- alle haben es schon gelesen. Janice und Lillian strafen mich mit Blicken, sagen aber kein Wort und Andrew hat mich heute Morgen nur enttäuscht angesehen. Die Fäden, die ich immer kontrolliert gezogen habe, haben sich zu einem einzigen Wirrwarr verknotet und ich verliere die Kontrolle. Das kann nicht wahr sein!
Nach der ersten Stunde verschanze ich mich in einem der Computerräume, um schnell meine E-Mails zu checken. Abgesehen von ein paar Standardmails gibt es aber noch haufenweise Mails mit Beschimpfungen von Mailadressen, die den Namen des Schreibers aber nicht verraten. Ich raufe mir die Haare und öffne die nächste Mail.

Hallo Valerie,
was für eine nette Begrüßung heute früh, nicht wahr? Ich persönlich habe mich köstlich amüsiert. Du offensichtlich nicht, aber das ist mir ehrlich gesagt, scheißegal. Wie sagt man so schön: Man erntet die Früchte seiner Taten, nur leider sind deine Früchte ziemlich bitter, meine Liebe.
Aber hier ein Vorschlag:
Wenn du von der Kandidatur als Schülersprecherin zurücktrittst, hören diese Zettel auf. Andernfalls wird jeden Tag ein neuer Eintrag in der Schule verteilt und ich bluffe nicht, wie du siehst. Also überlege es dir gut, es liegt alles an dir.

Mit schreckgeweiteten Augen sitze ich auf meinem Stuhl, die Hände um den Sitz geklammert, so dass die Knöchel weiß hervortreten. Aber wenigstens weiß ich jetzt, wie ich dem Spuk ein Ende bereiten kann. Sicher anders als der Erpresser denkt. Denn ich lasse mich ganz sicher nicht kleinkriegen.
Ich raufe mir die Haare und überlege angestrengt, wie ich herausfinde, wer der Erpresser ist. In dem Moment betritt Gustin den Raum und läuft auf einen Tisch am Ende des Raumes zu. „Hier ist loserfreie Zone.“, schnaube ich. Er trägt ein grünes T-Shirt mit einem Pixel-Frosch darauf und ignoriert mich vollkommen. Er schleppt seine Laptoptasche auf den Tisch und zerrt seinen Laptop aus der Tasche, ohne mich auch nur ein einziges Mal anzusehen.
Auch egal, denke ich. Wieder starre ich auf die E-Mail und überlege, wie ich herausfinden soll, wer der anonyme Absender ist. Ich schaue zu Gustin herüber, der konzentriert auf seinem Laptop tippt und sich dabei die schwarzen Locken hinter die Ohren schiebt. Plötzlich habe ich eine Idee.
„Gustin!“, rufe ich, aber er reagiert nicht. „Gustin, komm-„
Genervt dreht er sich auf seinem Stuhl um und funkelt mich an. „Ehrlich Valerie, jetzt willst du auch noch dein Revier auf den Computer-Raum ausweiten? Tut mir leid, aber da mache ich nicht mit. Außerdem könnte es deinem Image schaden, wenn du anfängst öfter an einem PC zu sitzen. Man könnte dich versehentlich für intelligent halten.“ Er spricht diese Worte vollkommen trocken und nüchtern aus, dreht sich um und macht da weiter, wo er aufgehört hat.
Ich sitze da, völlig perplex und spüre Tränen in meinen Augen aufsteigen und gleichzeitig die Wut, die in meinem Herzen brodelt. Ich atme tief durch und hebe den Kopf, dann binde ich mir meine braunen Haare zu einem Pferdeschwanz und stapfe zu Gustin herüber, schiebe seinen Laptop beiseite und setze mich auf den Tisch, an die Stelle, wo der Laptop zuvor stand.
„Hör zu-“, beginne ich, aber er unterbricht mich schon wieder.
„Bist du schon so verzweifelt?“, fragt er und versucht sich lässig in seinem Stuhl zurückzulehnen, aber diese Pose steht ihm einfach nicht und das merkt er.
Ich rümpfe die Nase. „Sicher nicht, aber, so ungern ich es auch zugebe, ich brauche deine Hilfe Computernerd.“
„Jetzt bin ich aber mal gespannt. Mit welchem Anliegen kann eine Prinzessin wie du denn wohl zu einem verachteten Frosch wie mir kommen?“, fragt er und fängt an zu lachen. Man findet der sich lustig.
Ich bin es absolut nicht gewohnt, so behandelt zu werden. Normalerweise kuschen alle Leute vor mir, wenn ich nur die Augenbrauen hebe. Mit Gustin hatte ich bis jetzt noch nicht zu tun, aber wir sind in einem Chemie-Kurs, deswegen weiß ich seinen Namen. Sein Verhalten überrascht mich.
„Du musst herausfinden, wer hinter einer E-Mail steckt, die mir geschickt wurde.“, sage ich trocken.
„Nichts leichter als das, aber hast du es schon mal mit dem Absender versucht?“
„Sehr witzig! Die Mail ist anonym und-„, fauche ich und rutsche vom Tisch. „Weißt du was, vergiss es. Ich krieg das schon hin. Ist ja nicht so als wärst du der Einzige hier, der sich mit Computern auskennt.“
Ich nehme meine Tasche von einem Stuhl und schließe die Mail, die immer noch bedrohlich auf dem Bildschirm blinkt.
„Jetzt warte doch mal. Du darfst dich über mich lustig machen, aber ich mich nicht über dich? Ziemlich unfair, wie ich finde.“, ruft Gustin und ich halte inne. „So ist das eben.“, sage ich.
Gustin nickt. „Ja, so ist das eben.“, sagt er und diese Aussage trieft nur so vor Verachtung. „Aber ich werde dir helfen, vorausgesetzt du kannst meine Arbeit überhaupt bezahlen.“
„Bezahlen?“, frage ich, bin mir aber im Klaren was er da gesagt hat. Was hatte ich denn geglaubt? Dass er jemandem wie mir einen Gefallen tun würde? Aus Angst davor, dass ich seinen Ruf zerstöre oder ähnlichem? Nein, damit konnte ich bei ihm nicht rechnen. „Nenn mir deinen Preis.“
Er knetet seine Hände. „Uh, wer die Wahl hat, hat die Qual.“, sagt er.
„Außer ein Date für den Abschlussball, das ist nicht drin.“, sage ich schnell und erst als es schon raus ist, fällt mir auf, wie unglaublich arrogant das klang.
Gustin grunzt belustigt. „Glaub mir, mit dir würde ich unter keinen Umständen auf den Ball gehen. Ich stehe nicht auf oberflächliche Cheerleader.“
„Oberflächlich!?“, schnaube ich und spüre, wie ich rot anlaufe.
„Entschuldige, ich vergaß, dass du eine unglaubliche Tiefe besitzt und nur nach außen hin so hohl tust.“
Ich verdrehe die Augen.
„Ich habs‘!“, sagt er und lächelt mit einem Funkeln in den Augen. Oh oh.
„Und das wäre?“, frage ich ungeduldig. Ich stehe noch immer da, den Gurt meiner Tasche in der Hand.
„Einen SAE0300“, sagt er und schaut mich erwartungsvoll an. „Das dürfte für dich doch kein Problem sein. Immerhin produziert die Firma deines Dads diese Dinger.“
Schlagartig entweicht mir die Luft aus den Lungen. „Soll das ein Scherz sein?! Ich komme nie im Leben an so ein Ding ran. Aber ich besorge dir einen, sobald sie auf dem Markt sind. Deal?“
„Nichts da. Ich habe genug Geld, um mir einen zu kaufen, wenn er auf dem Markt ist. Ich will ihn jetzt.“, sagt er.
Ich atme tief ein und zupfe an meinen Haaren. „Gibt es nicht irgendwas anderes?“
„Tut mir leid. Entweder der SAE oder der Deal ist geplatzt.“
„Ah! Na schön. Komm morgen um drei bei mir vorbei. Die Adresse dürftest du kennen.“, zische ich und stapfe aus dem Computerraum. Aber das Gefühl eines Triumphs will sich nicht einstellen. Na, warum sollte es auch. Immerhin habe ich bei dieser Verhandlung alles andere als die Oberhand gehabt.

Es klingelt an der Tür und missmutig stehe ich auf um sie zu öffnen. Es ist drei Uhr.
„Hi. Und hast du ihn?“, fragt Gustin und ich bitte ihn mit einer Handbewegung herein. Er schaut auf seine Schuhe und bleibt stehen.
„Lass sie ruhig an.“, sage ich und ignoriere seine erste Frage. Ich gehe vor ins Wohnzimmer und setze mich wieder auf die Couch.
„Wow, euer Haus ist wirklich der Wahnsinn. Aber das bekommst du wahrscheinlich täglich zu hören.“, sagt er und schmeißt sich auf das andere Ende des Sofas.
Ich zucke die Schultern und schalte den riesigen Flachbildfernseher aus.
„War das gerade Gangs of War?“, fragt Gustin und schaut mich mit großen Augen an.
„Vielleicht.“, antworte ich und mein Blick zuckt ungewollt zu einem Regal an der Wand, das bis zum Rand mit Filmen und Videospielen gefüllt ist.
Gustin folgt meinem Blick und ihm fällt schier alles aus dem Gesicht. „Das ist nicht dein Ernst! Du und Videospiele?“, fragt er vollkommen überrascht.
„Naja, mein Dad leitet einer der größten Produktionsfirmen für den Kram. Was erwartest du?“, sage ich und zucke die Schultern. Es ist mir unangenehm, das Gustin meine geheime Leidenschaft entdeckt hat, aber wie sollte es auch anders sein, wenn er hier in meinem Wohnzimmer mit den vielen Regalen voller Spiele sitzt.
„Also?“, frage ich. „Wie willst du herausfinden, wer mir die Mail geschickt hat?“, frage ich.
„Das ist ganz einfach.“, sagt er und klopft auf seine Laptoptasche, die er auf dem Boden abgestellt hat. „Aber zuerst eine Frage. Was steht Wichtiges in der Mail, dass du ausgerechnet mich fragst, ob ich dir helfe.“
Auf die Frage war ich nicht vorbereitet. Ich hätte nicht gedacht, dass es Gustin interessiert, immerhin hält er auch sonst nicht viel von mir. Aber statt etwas zu sagen, weise ich mit dem Kopf nur auf den Mülleimer, in dem hunderte von zerknüllten Zetteln mit einem neuen Tagebucheintrag liegen.
Gustin nickt nur und macht sich daran seinen Laptop aus der Tasche zu holen. Ich rechne es ihm hoch an, dass er nichts über mein Aussehen gesagt hat, geschweige denn einen fiesen Kommentar zu den Zetteln abgelassen hat.
Als ich heute in die Schule kam und wieder tausende Zettel in der Schule an Spinden, Fluren und Toiletten klebten, ging es mir einfach schlecht. Ich habe nicht die Angewohnheit meine alten Einträge zu lesen, aber es scheint mir, als hätte ich über jeden einzelnen Schüler der Schule etwas Gemeines geschrieben. Am meisten aber über die Mädchen aus meiner Clique und der Cheerleadermannschaft. Es ist offensichtlich und ein offenes Geheimnis, dass wir alle irgendwann übereinander lästern, deswegen darf niemandem auch nur ein Fehler passieren- weil sich alle anderen wie die Geier darauf stürzen. Und dieser Fehler ist mir passiert, weswegen mich jetzt nahezu alle meiden, außer Gwen und Andrew. So schnell konnte mein Ruf den Bach hinuntergehen und so schnell konnte ich all meine Kontrolle, die ich mir mühsam an der Spitze erkämpft hatte, mir durch die Finger rinnen wie Sand.
Ich stecke in einer muffigen Sporthose und in meinem Cheerleaderpulli. Es ist mir egal, was Gustin von mir hält und da meine Eltern nicht das sind, gibt es niemanden, der es sehen kann. Aber im Endeffekt wäre mein „skandalöses“ Aussehen nur die Kirsche auf dem Eisberg. Dann wäre mein sozialer Ruin wenigstens komplett.
„Logg‘ dich ein, dann kann ich den Absender zurückverfolgen.“, sagt Gustin und reicht mir seinen Laptop. Es ist ein absolutes Spitzenmodell, ich habe den Gleichen. Schnell tippe ich meine Mailadresse und mein Passwort ein und schaue prüfend zu Gustin, als ich ihm den Laptop zuschiebe.
„Welche ist es?“, fragt er als sich mein Postfach mit hunderten von E-Mails öffnet.
„Die.“, antworte ich und zeige auf die entsprechende Mail.
„Okay.“, sagt er und notiert sich die Mailadresse auf einem Zettel, dann öffnet er ein Programm auf seinem Laptop. Meine Hackerkünste betragen gleich null, weswegen ich keine Ahnung habe, was genau er dort macht. Aber als sich nach einer halben Stunde ein triumphierendes Lächeln auf sein Gesicht legt, lehne ich mich herüber, um etwas zu sehen und Gustin dreht mir den Laptop zu. Neben vielen geöffneten Fenstern, die ein einziges Wirr Warr auf dem Bildschirm ergeben, mache ich einen Namen aus und schaue Gustin mit schockgeweiteten Augen an. Dann wird mein Blick skeptisch.
„Bist du dir wirklich sicher?“, frage ich.
„Hundertprozentig. Da kann ich gar nicht falschliegen.“, sagt er und ich meine einen Hauch Mitleid in seinen Augen zu sehen.
„Na schön.“, sage ich und versuche die aufkommende Wut herunterzuschlucken. „Danke.“
Ich stehe auf und öffne die Tür für Gustin, der mich verwirrt anschaut. „Jetzt dein Teil der Abmachung Valerie.“
Ich lächle ihn von oben herab an. „Tut mir leid. Den Ärger mit meinem Vater handle ich mir nicht ein, trotzdem Danke für deine Hilfe.“
„Ich bin so ein Idiot!“, flucht Gustin und packt seine Sachen schnell zusammen, bevor er wütend an mir vorbeistapft. „Und ich war so dämlich, dir zu glauben.“
Ich zucke die Schultern. „Dein Problem.“
Kopfschüttelnd läuft er zu seinem Auto und fährt mit heulendem Motor davon.
Ich atme auf. Jetzt habe ich einen Grund, mich gut zu fühlen. Ich habe gewonnen. Aber ich fühle mich nur müde und schlecht. Resigniert lasse ich die Tür ins Schloss fallen und schlurfe zurück zur Couch, in Gedanken versunken wie ich es dem Erpresser heimzahlen soll, jetzt wo ich weiß, wer es ist.

Am Abend klingelt das Telefon und nach langem Überlegen entschließe ich mich doch abzunehmen.
„Hallo?“, sage ich.
„Hallo Valerie, hier ist Juniper.“
Ein Fehler. Ich kneife die Augen zusammen, am liebsten hätte ich sofort wieder aufgelegt. In dem Tagebucheintrag heute ging es um Juniper und auch an ihr habe ich absolut kein gutes Haar gelassen. Sie redet einfach weiter, ohne auf meine Reaktion zu warten.
„Ich wusste ja immer, dass wir zwei nicht gerade gut miteinander ausgekommen sind. Und ich gebe zu, dass ich manchmal auch nicht fair und gemein zu dir war. Aber so etwas habe ich nie im Leben über dich gedacht Valerie! Du bist so falsch und verdorben, da wird mir schlecht. Aber jetzt bekommst du endlich was du verdienst. Und du wirst sehen, dass am Ende niemand wie du jemanden zu wahren Freunden zählen kann. Du weißt ja offensichtlich nicht mal was wahre Freundschaft ist.“ Und mit ihren letzten Worten legt sie auf.
Ich sitze gefühlt den Rest meines Lebens da, starr wie ein Stein, das Tuten des Telefons im Ohr. Als ich schließlich auflege, fühle ich mich rastlos, stehe auf und werfe mich in meine Sportklamotten, um den Kopf freizukriegen.

Als ich auf unsere Einfahrt biege, schweißdurchtränkt, völlig außer Atem und müde, sehe ich Dads Auto vor dem Haus stehen. Oh nein, warum heute? Ich verlangsame meinen Lauf, aber früher oder später muss ich doch ins Haus.
Dad steht in der Küche und kocht das Abendessen. Er ist viel auf Reisen, kommt manchmal nur am Wochenende nach Hause. In diesen Zeiten fehlt er mir sehr, aber jetzt ist wirklich der denkbar schlechteste Zeitpunkt, den man sich vorstellen kann.
„Hallo Dad.“, sage ich und setze mich an die Küchentheke.
„Valerie, ich freue mich, dich zu sehen.“, sagt er und umarmt mich kurz, bevor er sich wieder dem Herd zuwendet. Wenn mein Vater kein Geschäftsmann geworden wäre, dann wäre er heute sicherlich Koch.
„Was macht die Schule?“, fragt er und streut ein paar Kräuter und Gewürze in die Pfanne.
Plötzlich fühle ich mich noch unwohler. Er darf niemals erfahren, dass hier gerade die Hölle los ist.
„Gut, gut. Es läuft gut.“, sage ich. Dad dreht sich um und hebt misstrauisch eine Augenbraue. Das war wohl ein „Gut“ zu viel.
„Ich meine wir schreiben am Donnerstag einen Test in Chemie, da muss ich noch lernen. Ansonsten, anstrengend wie immer, aber es läuft.“, füge ich hinzu und lächle vorsichtig.
Dads Blick wird weniger misstrauisch, aber diesen Blick hätte ich lieber, als die Frage die er mir jetzt stellte. „Und, was machen die Cheerleader?“
Ich spüre wie sich mein Kiefer anspannt und ich die Zähne fest zusammenbeiße. Während ich gejoggt bin und das herrliche Brennen in meinen Beinen gespürt habe, war ich abgelenkt, aber jetzt wallen alle Gefühle wieder in mir hoch. Ich atme tief durch, stehe von meinem Stuhl auf und fange an, durch die Küche zu tigern. Ich kann es vor ihm einfach nicht geheim halten. Außerdem würde er es früher oder später sowieso herausfinden.
„Also Dad ich muss dir etwas erzählen. Aber werde bitte nicht sauer, ich habe alles unter Kontrolle, also jetzt. Wieder.“, beginne ich und merke was für ein lahmer Anfang das ist. Nicht gerade beruhigend oder vertrauenerweckend.
„Ich höre.“, sage Dad und lehnt sich an die Küchentheke.
Also erzähle ich ihm alles. Von dem Tagebuch, der Drohung und den Zetteln. Von Gustin wie er mir geholfen hat und dass ich dann meine Abmachung nicht eingehalten hatte.
Als ich geendet habe, schaffe ich es einfach nicht ihm in die Augen zu sehen. Ich bin die ganze Zeit hin- und hergelaufen, unfähig stillzustehen.
Dad sieht mich an. Enttäuscht, schockiert. Dann bricht der Sturm los.
„Valerie! Weißt du eigentlich was du angerichtet hast?! Ich habe immer versucht, dich zu einem anständigen Menschen zu erziehen. Ich weiß meine Rolle als Vater habe ich nicht immer mit Bravour ausgeführt, aber ohne deine Mutter und mit einem Job ist das nun mal verdammt schwer. Ich kann nicht fassen, dass du mich so blamiert hast. Aber mal davon abgesehen: Findest du dein Handeln richtig? Offensichtlich hat dieser Junge dir eine Chance geben wollen, obwohl du dich deinen Mitschülern so unmöglich gegenüber verhalten hast! Glaubst du, du bist etwas Besseres? Denkst du wirklich, du hast das Recht dich über deine Mitmenschen hinwegzusetzen?“, er schlägt mit der Faust auf den Tisch und wird rot im Gesicht. „Ich hätte dich niemals für so jemanden gehalten. Und jetzt verschwinde, ich will dich heute Abend nicht mehr sehen. Dein Essen stelle ich auf den Tisch.“
Ich nicke, unfähig etwas zu sagen. Der Kloß in meinem Hals wird immer dicker und ich habe das Gefühl zu ersticken. Alles was ich immer wollte, war das Dad stolz auf mich ist. Er ist das Einzige was ich noch habe. Der Einzige, der mich liebt, egal was ich tue.
Schluchzend mache ich mich auf den Weg nach oben, wütend und verzweifelt. Ich werfe mich auf mein Bett, stehe aber sofort wieder auf, um Duschen zu gehen. Das muss ein Ende haben. So will ich nicht mehr sein. Dad hat Recht. Und Gustin, auch wenn er sich mir gegenüber nicht gerade nett verhalten hat. Was sollte ich auch anderes erwarten. Aber immerhin hat er mir trotzdem geholfen. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, hätte ich mir selbst wahrscheinlich nicht geholfen.
Als ich mit Duschen fertig bin, logge ich mich in eines der vielen sozialen Netzwerke ein und suche nach Gustin, aber als ich ihn schließlich finde, das Nachrichtenfenster schon geöffnet, habe ich einfach nicht den Mut.

Ich fühle mich wie gerädert, als ich aus dem Bett steige. Meine Muskeln schmerzen vom Laufen und meine Augen sind verquollen vom vielen Weinen.
Langsam tapse ich die Treppe hinunter in die Küche, aber als ich Dad sehe, mit Morgenzeitung und Kaffe, drehe ich sofort wieder um.
„Denk nicht mal dran.“, sagt er ohne von seiner Zeitung aufzublicken und ich drehe mich wieder um.
„Ich dachte-„, setze ich an, gehorche aber und setze mich ihm gegenüber an den Küchenthresen in der Mitte des Raumes.
Jetzt legt er die Zeitung doch beiseite und trinkt einen großen Schluck Kaffee. „Du solltest nur einen ordentlichen Schrecken kriegen, mein Schatz. Und den hast du offensichtlich auch bekommen. Egal was du tust, es hat Konsequenzen und die holen dich jetzt mit einem Schlag ein.“
Ich nicke und bringe ein verzerrtes Lächeln zustande. Dann halte ich es nicht mehr aus, stehe auf und falle meinem Dad schluchzend um den Hals. „Dad, was soll ich tun?“
„Zu allererst hältst du deinen Teil der Abmachung ein und bringst Gustin eine SAE0300. Und noch etwas Val, gib nie ein Versprechen, dass du nicht halten kannst. Du hast Glück, dass ich eine SAE mitgebracht habe, um sie noch ein letztes Mal zu testen.“ Ich gucke zerknirscht, weiß aber, dass er Recht hat.
„Und dann wirst du dem Erpresser, die Hölle heiß machen. Aber denk daran, was ich dir gesagt habe. Außerdem wird dein teurer Ruf ruiniert sein und du lernst endlich mal das Leben einer Außenseiterin kennen.“
Ich sollte mich nicht wundern, dass Dad kein Mitleid mit mir hat. „Aber keine Sorge. Vielleicht weißt du es nicht, aber ich war auch jemand wie Gustin. Computerbegeistert und nicht sonderlich beachtet. Und es hat mir nicht geschadet.“
Wieder nicke ich und fange an zu frühstücken. „Danke Dad.“ Er lächelt und nimmt seine Zeitung wieder in die Hand.
Nachdem ich mit dem Frühstück fertig bin, ziehe ich mir bequeme Sachen an und gehe ungeschminkt, mit der SAE Konsole unter dem Arm zu meinem Auto. Ich muss nach außen hin niemand mehr sein, der ich nicht mehr bin.
In der Schule hängen wie erwartet wieder neue Einträge an den Wänden, schließlich habe ich meinen Kandidatur Rücktritt weder verkündet, noch mich bei dem Erpresser gemeldet. Ich gehe zielstrebig auf den Computerraum zu, in der Hoffnung Gustin dort zu treffen. Die Blicke der Schadenfreude, die mich dahin begleiten, versuche ich so gut es geht auszublenden.
Im Computerraum sind nur wenige Schüler, unter ihnen Gustin. Stechende Blicke verfolgen mich, als ich durch den Raum zu Gustin laufe, dessen schwarze Locken ihm wirr in den Augen hängen.
„Hi.“, sage ich und er sieht auf.
Gustin verdreht die Augen. „Was willst du Valerie? Dich über mich lustig machen?“
Ich spüre wie sich die Köpfe der anderen uns zudrehen, wie sie mich mit Blicken durchbohren.
„Hier.“, sage ich und halte ihm die SAE hin, eine dicke rote Schleife obendrauf.
„Lass nur, ich will sie nicht mehr. Von dir nehme ich nichts an.“ Und damit dreht er sich wieder um. Unser Gespräch ist vorbei, das ist mir mehr als deutlich.
„Na gut.“, sage ich. „Aber du sollst wissen, dass ich es eingesehen habe. Es tut mir wirklich leid. Es tut mir sehr leid.“, sage ich und drehe mich zu den anderen Schülern im Raum um. Ich versuche noch einmal Gustin anzusehen, aber er ignoriert mich. Also stelle ich die Konsole neben ihn auf den Tisch und verlasse den Raum.
Auf dem Flur reißt die Welle an Blicken mich förmlich mit sich, aber ich ignoriere es immer noch so gut es geht.

In der Mittagspause ist es schließlich so weit. Ich habe das Gespräch mindestens tausend Mal während des Unterrichts in meinem Kopf durchgespielt, aber es nützt nichts. Ich bin trotzdem am Verzweifeln. Ich klaube all meinen restlichen Mut zusammen und trete an den Tisch der Cheerleadergruppe mit Janice, Gwen, Andrew und den anderen.
„Was willst du denn hier Valerie?“, fragt Janice voller Hohn. Seit Tagen muss ich mir den Spott anhören und die Blicke meiner ehemaligen Clique ertragen.
„Ich weiß, wer von euch es war. Ich weiß, wer mein Tagebuch hat.“, sage ich ohne auf Janice Kommentar einzugehen.
„Na da bin ich aber mal gespannt.“, lacht Andrew.
„Solltest du auch sein Andrew. Du hast es nämlich gestohlen. Und ich weiß auch wieso. Du hast auch als Schülersprecher kandidiert, aber so dass ich es nicht merke. Dann wolltest du mich mit Dates und all dem Scheiß davon ablenken. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, hast du mein Tagebuch gestohlen, die Einträge verbreitet, um mir die Stimmen abzujagen. Wirklich sehr clever. Nur leider hat dir deine Erpressung nichts genützt.“
„Das ist doch Schwachsinn!“, schnaubt er.
Ich sehe zu Gwen. Der Einzigen, der ich je meine wahren Geheimnisse anvertraut habe, aber sie sieht mich nicht an. Warum sollte sie auch.
„Lüg nicht. Ich habe deine Mailadresse zurückverfolgt.“, sage ich und stemme die Hände in die Hüften, obwohl meine Beine zittern wie Espenlaub.
„Oh bitte Val. Wie willst du das denn beweisen. Und selbst wenn ich es war, du hast gerade größere Probleme denke ich.“
Ich funkle ihn wütend an. Was wollte ich eigentlich? Wollte ich mein Tagebuch zurück? Sicher nicht. Diese Valerie wollte ich nicht mehr sein. Eine Entschuldigung? Auch die sicher nicht.
„Weißt du was Andrew. Auch meine Einträge werden den Leuten irgendwann langweilig. Und selbst wenn du deinen eigenen Kram dazu dichtest, es wird irgendwann niemanden mehr interessieren. Und wenn du es wirklich nötig hast so ein Theater zu machen, damit du eine Chance auf den Posten als Schülersprecher hast. Bitte, wir würden uns sicher alle geehrt fühlen, einen Schulsprecher wie dich zu haben.“, sage ich und mache auf dem Absatz kehrt. Das Adrenalin pumpt mir durch die Adern und ich schüttle meine Hände aus.
Ich atme tief durch, als ich an dem Tisch am Rande der Cafeteria ankomme, wo ich meine Tasche abgestellt habe. Doch kurz bevor ich dort ankomme, bleibe ich wie angewurzelt stehen. Gustin sitzt dort, den SAE auf dem Schoß.
„Hallo.“, sagt er und sieht mir prüfend in die Augen.
„Hallo“, entgegne ich und deute auf die Konsole. „Behalte sie, bitte.“
„Oh natürlich, und ob.“, sagt er und lächelt. Ein ehrliches und aufrichtiges Lächeln. Unwillkürlich lächle ich zurück und setze mich an den Tisch.
„Valerie, ich habe gesehen wie du den anderen da drüben.“ Er deutet mit der Hand auf Andrew und die anderen, die wütend zu uns herüberstarren. „Die Meinung gegeigt hast, oder zumindest so etwas ähnliches.“
„Ja sowas Ähnliches.“, sage ich und muss grinsen. „Bist du noch sauer?“
„Nein, schon gut.“, sagt Gustin und klopft auf die SAE. „Alles wieder im Lot.“
„Okay, das freut mich. Ich geh dann mal.“, sage ich und packe meine Sachen zusammen. Ich schultere meine Tasche und stehe auf. Als ich mich zum Gehen wende, hält Gustin mich am Arm fest.
„Weißt du noch, wie ich gesagt habe ich würde nie mit jemandem wie dir ausgehen?“, fragt er.
„Als ob ich das vergessen hätte.“, antworte ich.
„Naja, ich hab‘ meine Meinung geändert. Ich würde wirklich gern mal mit dir ausgehen Valerie. Darf ich?“
Ich spüre wie meine Wangen warm werden und sich ein dämliches Lächeln auf mein Gesicht stiehlt.
„Ja, sehr gern.“

Ob es in den Augen anderer Leute nun ein Date ist, oder nicht. Für Gustin und mich war es das perfekteste erste Date, das es gab.
„Dann lass uns das Baby mal testen“, murmelt Gustin während er die SAE an den Fernseher anschließt.
„Alles klar“, sage ich und lasse ein paar Spiele über den Holzboden zu ihm schlittern. „Such du aus.“
„Puh, schwere Wahl.“, sagt er und starrt konzentriert auf die Spielhüllen. Als es an der Tür klingelt, stehe ich vom Sofa auf und öffne die Tür.
„Einmal Salami, einmal Thunfisch?“, fragt der Pizzalieferant.
„Ja genau.“, sage ich und reiche ihm das Geld. „Der Rest ist für Sie.“
Er reicht mir die Pizzen mit einem „Danke“ und einem Lächeln. Dann schließe ich die Tür und lümmle mich zu Gustin auf die Couch, der sich inzwischen für ein Spiel entscheiden konnte. Das Menü erscheint auf dem riesigen Bildschirm und Gustin beginnt den Controller zu inspizieren.
„Essenspause“, sage ich und schiebe ihm den lecker duftenden Karton mit der Salamipizza rüber.
Hungrig fangen wir an zu essen und als ich gerade mit der Hälfte meiner Pizza fertig bin, fängt Gustin an zu kichern. „Was ist?“, frage ich.
„Du hast da Käse am Kinn kleben“, sagt er. „Erhöht den Sexiness-Faktor ungemein.“
Ich spüre wie ich rot werde, kann aber nicht anders als auch zu lachen. Gustin legt das Stück Pizza, das er gerade noch in der Hand hatte zurück in den Karton und neigt sich zu mir, um mir den Käse vom Kinn zu wischen.
Ich schaue in seine schönen, klaren Augen und weiß, dass dies der perfekte Moment ist. Beiläufig schiebe ich mir den Pizzakarton vom Schoß, während Gustins Hand noch immer an meiner Wange ruht.
Er lächelt mich fragend an und als ich ein Stück zu ihm herüberrutsche, neigt er sein Kinn und ich schließe die Augen.
Als seine Lippen schließlich auf die meinen treffen, bin ich unendlich glücklich und könnte glücklicher nicht sein.

The End

Kommentare und Bewertungen

Gracy
12.04.2014
Es ist jetzt nicht die tollste Idee, aber die Geschichte ist sehr schön geschrieben. Trotzdem ist sie sehr interessant und man möchte das Ende kennen. Aber eine Frage habe ich! Welches Märchen soll das da stellen? Der Froschkönig? Viele liebe Grüße Gracy
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