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Bittersweet Academy: Sandra Regnier - Mosaikschreiben - eine Geschichte zusammenpuzzeln

Sandra Regnier verrät Dir, wie sie schreibt: Sie puzzelt einzelne Szenen zusammen!

Du schreibst Deine Bücher, indem Du verschiedene Szenen zusammenpuzzelst. Kannst Du uns das einmal beschreiben?

Ich sehe mich ja noch immer als Liebesroman-Autor. Deshalb ist die erste Szene, die ich von einem neuen Projekt schreibe, immer eine Liebesszene. Natürlich weiß ich grob, worum es in der neuen Geschichte gehen soll, doch erst nach dieser Szene fange ich an, richtig zu plotten, die Nebenfiguren zu erfinden, den Charakter der Hauptfigur zu ergründen und dann werden weitere Szenen geschrieben, was mir hilft, meine Figuren richtig kennen zu lernen.  Nachher muss ich nur noch alles in eine etwaige Reihenfolge bringen und dann verbinde ich diese einzelnen Szenen.

Wie ausführlich hast Du die verschiedenen Szenen schon im Kopf?

Ziemlich ausführlich. Ich mache mir für jede einzelne Szene eine Karteikarte. Die kann ich dann entweder in der Reihenfolge, wie das Manuskript nachher ablaufen soll, an meine Tafel hängen oder – wenn ich noch in der Anfangsphase bin – schreibe ich anhand dieser einen Karteikarte die Szene direkt nieder.

Wenn ich mal hänge, kommt diese Karteikarte ganz oben auf meine Tafel und ich fange an mit einem sogenannten Cluster-Muster die Szene auseinander zu stückeln. Meistens ergibt sich dann alles von selbst.

Wenn Du eine Szene im Kopf hast, entsteht dann daraus die Idee zum Buch?

So wie bei Stephenie Meyer Twilight entstand? Das ist unterschiedlich. Wie schon oben erwähnt, ist eine Liebesszene immer der Anfang von allem und ich weiß genau, wie es ausgeht. Aber was wäre das für ein langweiliges Buch, wenn die Figuren direkt zusammen finden würden? Also überlege ich mir Hindernisse, Komplikationen, Einwirkungen. Erst dann, würde ich behaupten, ist die Idee zu einem Buch geboren. Aber manchmal ist es auch einfach nur eine Kleinigkeit, die mich dann die Geschichte drumherum stricken lässt. Bei der Zeitlos-Trilogie war es zum Beispiel der Alptraum, dass die Schwerkraft nachließ. Solche spontanen Gedanken schreibe ich auf und wer weiß? Manchmal werden sie nur zu einer Szene, manchmal wird daraus ein neues Projekt.

Kannst Du uns ein Beispiel für zwei solcher Szenen in einem Deiner Bücher geben?

Wie schon gesagt war es bei der Zeitlos-Trilogie das Nachlassen der Schwerkraft. Die erste Szene, die ich schrieb, war die, (Achtung, kleiner Spoiler) als Elizabeth Colin bittet, ihn in ihre Zeit zu begleiten. Nicht wirklich effektiv zum Vorankommen eines Romans, aber auf alle Fälle sehr effektiv für mich, denn so lernte ich schon ein wenig Elizabeth kennen und wusste, wie Colin sich entscheidet (aber das verrate ich jetzt nicht).

Ist schon einmal eine der Szenen von einem Schreibprojekt in ein anderes gewandert?

Nein. Dafür sind die Bücher zu unterschiedlich. Bei Pan war es ja ein reines Fantasy-Buch mit Fantasygestalten, bei der Lilie ging es mehr um ein historisches Thema und bei der Zeit spielt Mystery eine große Rolle. Das sind ganz gewollt völlig unterschiedliche Projekte und die Charaktere sind auch zu verschieden, als dass ich da hätte etwas übernehmen können.

Wie findest Du Deine Protagonisten?

Wie ich sie finde oder wo ich sie finde? Ich mag sie natürlich alle sehr. Sogar Theodor. Ich musste kämpfen, um ihn in der Geschichte zu lassen, aber dank ihm gibt es Reibereien, Komplikationen und Colin wächst dadurch in sich.

Wo ich sie finde, ist eine andere Sache. Meisten schaue ich mir eine Serie an und denke: "So was willst Du auch schreiben." Doch dann entwickeln die Charaktere ein Eigenleben und werden ganz anders als der Seriencharakter es vorgab. Ich weiß nie, ob ich darüber enttäuscht oder froh sein soll.

Eignet sich diese Schreibmethode auch für Anfänger?

Ich habe so angefangen. Ich sehe mich noch immer als Anfänger. Immerhin sind es erst 4 verschiedene Projekte, die ich so erschaffen habe. Aber ich denke, da sollte jeder seine eigene Methode finden. Manche Autoren schreiben zuerst ein Exposé, wo sie jedes Kapitel bereits vorgeben und die dann später ausführlich und chronologisch niederschreiben. Ich habe das auch versucht, aber es hemmt mich ungemein. Dann ist der Witz raus. Dann ist es bei mir nur noch Handwerk ohne Kreativität. Für die Puzzlezeit nachher mag das reichen, aber nicht für die wichtigsten Szenen im Roman, die ihn ausmachen.

 

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