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Bittersweet Academy: Laura Kneidl – Ein Buch planen und nach Plan schreiben

Laura Kneidl gibt tolle Tipps zur Planung und Konzeption eines neuen Schreibprojekts

Du planst Deine Geschichten, bevor Du sie schreibst. Wie weit geht eine solche Planung?

Wie tief diese Planung geht, hängt von der jeweiligen Geschichte und dem Genre ab.

Bei Geschichten, bei denen es hauptsächlich um die Beziehung der Charaktere geht, wie beispielsweise bei Light & Darkness, plane ich nicht sehr ausführlich, sondern überlasse mich gerne der Führung der Charaktere, denn wie im realen Leben glaube ich nicht, dass man Liebe planen kann. Sie passiert einfach und zu versuchen die Beziehung von zwei Charakteren in eine Schablone zu pressen, funktioniert nicht. Dann fühlt es sich sehr unnatürlich an.

Bei diesen Geschichten kenne ich nur den Anfang und das Ende und ich weiß, wo meine Charaktere am Ende stehen sollen. Ich beantworte nur ganz einfache Fragen, wie "Sind sie zusammen?", "Oder sind sie getrennt?", "Gehören sie zu den Guten oder den Bösen?".

Doch es gibt auch Romane, die weniger von den Charakteren, als von der Handlung geführt werden, oft sind das Thriller oder wie in meinem Fall (High) Fantasy Romane. Überall gibt es Hinweise und Details, die für die Lösung es Rätsels wichtig sind. Und damit diese nicht willkürlich wirken, sollte man sich vorher einen Plan zurechtlegen.

Und gerade in der Fantasy, wenn man eigene Welten erschafft, ist es auch sehr wichtig, diese Welt zu planen und ihre Eigenheiten gleich zu Beginn festzulegen, damit sich ein rundes und einheitliches Bild gibt. Anderenfalls neigt man vielleicht dazu, sich die Dinge zurechtzubiegen, wie es einem gerade passt, und dann passieren sehr schnell Logikfehler.

Eine tolle – und ausführliche – Anleitung zum Entwerfen eigener Welten gibt es bei den SFWA (Science Ficiton & Fantasy Writers of America), die ich auch selbst benutze, allerdings noch nicht komplett durchgearbeitet habe – das ist mir dann doch etwas zu viel der Planung!

Welche Methode ich generell gerne benutze, ist die 7 Punkte Struktur von Dan Wells. Diese Methode sieht vor, dass jeder Roman aus sieben wichtigen Ereignissen besteht und sieht – kurz gesagt – wie folgt aus:

  1. Hook = Wer ist Dein Charakter und wo steht er?
  2. Plot Turn 1 = Die Welt Deines Charakters verändert sich. 
  3. Pinch 1 = Erste Probleme treten auf, Dein Charakter wird unter Druck gesetzt.
  4. Midpoint = Dein Charakter erkennt, dass sich etwas ändern muss. Er wird aktiv.
  5. Pinch 2 = Die Situation spitzt sich zu und scheint für Deinen Charakter hoffnungslos.
  6. Plot Turn 2 = Dein Charakter erkennt eine Möglichkeit die Probleme zu lösen.
  7.  Resolution = Die Probleme ist gelöst und die Reise Deines Helden (vorerst) beendet.

Diese Methode benutze ich inzwischen für fast all meine Romane und da ich gerne plane, gehe ich dabei noch mehr in die Tiefe und überlege mir genau, was passieren muss, damit mein Charakter von einem Punkt zum anderen kommt. 

Ebenfalls immer in meiner Planung inbegriffen sind kurze Charakter-Beschreibungen, die allerdings oft nur das Aussehen festlegen, denn wie bei der Liebe glaube ich, dass man Persönlichkeiten nicht erzwingen kann.

 

Hast Du schon einmal andere Methoden ausprobiert?

Ja, ich habe schon viele verschiedene Methoden ausprobiert und das ist auch wichtig, um das Richtige für sich zu finden. Natürlich sollte man auch aufhören zu suchen, wenn man etwas hat, was für einen gut funktioniert. 

Ganz klassisch und etwas oberflächlicher als die 7 Punkte Struktur von Dan Wells ist die 3 Akt Struktur, wie man sie aus dem Theater kennt – dazu gibt es auch zahlreiche Artikel im Internet.

Oder man kann auch sehr genau und speziell planen, beispielsweise mit der Schneeflockenmethode . Diese Methode ist allerdings wirklich nur was für Leute, die jedes Detail wissen wollen und auch viel Geduld und Zeit mitbringen.

Für Blood & Gold habe ich wiederum eine ganz andere "Technik" angewandt, die wohl überhaupt keinen Namen hat, ich nenn sie einfach "Betriebsanleitung". Das war so ein Mix aus Handlung und Weltenerklärung. Im Prinzip hab ich das ganze Buch als Inhaltsangabe erzählt, ein bisschen so, wie man es aus der Schule kennt, und an den entsprechenden Stellen, wo ich etwas mehr Erklärung gebraucht habe, hab ich Fußnoten gemacht.

Außerdem gibt es auch spezielle Notizbücher, die einen einen durch die Planung des eigenen Romans führen, wie beispielsweise "Ready, Set, Novel!: A Writer's Workbook". 

 

Gibt es trotzdem Passagen, bei denen Du drauflosschreibst?

Absolut. Wie bereits gesagt, bei Romanen, die von den Charakteren geführt werden, überlasse ich viele Passagen der Intuition und auch Dialoge plane ich nicht. Wenn es wichtige Gespräche zwischen den Charakteren sind, weiß ich natürlich, was das Ziel der Unterhaltung ist, aber ich plane sie nicht, sonst wirken sie schnell steif und unnatürlich. Dasselbe gilt für romantische Szenen jeder Art, das wirkt dann oft "choreografiert".

 

Hast Du Deine Planung während des Schreibens schon einmal verworfen?

Ja und nein. Ich habe meine Planung noch nie soweit verworfen, dass ich plötzlich eine ganz andere Geschichte erzählt habe. Aber es ist schon öfter passiert, dass sich Szenen dazwischenschieben, die nicht geplant waren oder dass Charaktere dominanter werden als erwartet, weil man ihnen ihren Freiraum lässt. Ein solcher Charakter war bei mir zum Beispiel Wayne. Er sollte in Blood & Gold lediglich eine Nebenrolle bekommen und nie der Protagonist in Soul & Bronze werden, aber er war so aufdringlich, dass ich einfach nicht anders konnte und ihm gezwungenermaßen die Rolle überlassen haben.

 

Ist Schreiben nach Plan zeitaufwendiger als drauflosschreiben?

Es kann aufwendiger sein, muss es aber nicht. Das hängt viel davon ab, wie lange und ausführlich man plant. Dass die Schneeflockenmethode zeitraubender ist, ist selbstverständlich, die Methode von Dan Wells hingegen kann man in 2-3 Tagen abarbeiten.

Allerdings kann es auch ordentlich schief gehen, wenn man nicht plant und vielleicht stellt man nach 250 Seiten fest, dass man sich total verrannt hat und noch mal von vorne beginnen muss. Dann hat man sich auf jeden Fall nichts gesparrt. Für mich ist Planen auf jeden Fall mit einem Zeitaufwand verbunden, der sich allerdings auch lohnt!

 

Was ist der Vorteil Deines Schreibvorgangs?

Der größte Vorteil ist wohl tatsächlich die Tatsache, dass ich weiß, wohin die Reise gehen sollte. Ich kann immer wieder auf meinen Plan schauen und kontrollieren, ob ich das Ziel noch ansteuere oder ob ich mich verlaufen habe. Und notfalls kann ich das Ruder herumreißen, so dass ich mir nicht allzu viel Arbeit umsonst gemacht habe.

 

Wie oft liest Du Deine Geschichte noch Korrektur?

Das ist sehr unterschiedlich. Light & Darkness hab ich sehr oft gelesen, da es mein erster Roman war, mit dem ich mich bei Verlagen und Literaturagenturen beworben habe. Er sollte möglichst perfekt sein und ich hatte noch nicht die Übung und Routine, die ich heute habe.

Blood & Gold habe ich zwei Mal gelesen, mache Stellen drei Mal, weil es mir wichtig war, für die Reihe eine gute Grundlage zu schaffen. Soul & Bronze und Magic & Platina hingegen habe ich nur ein Mal Korrekturgelesen, bevor es ins Lektorat ging.

Und ich arbeite auch mit Testlesern zusammen, die das Skript für mich mitlesen und mir Feedback geben und anhand ihrer Rückmeldungen erkenne ich auch, ob es eine Geschichte nötig hat, noch mal korrigiert zu werden.

 

Ist nach Plan schreiben eine gute Methode für Anfänger?

Auf jeden Fall! Ich könnte mir vorstellen, dass die Schneeflockenmethode für viele Schreibanfänger zu detailliert ist und sie die Lust an der eigenen Geschichte verlieren, wenn sie schon zu viel wissen und es keine Geheimnisse mehr gibt.

Allerdings sollten sich Anfänger auf jeden Fall einen Plan zurechtlegen und ihren roten Faden kennen, denn im Eifer des Gefechts verzettelt man sich häufig und das kann auch deprimierend sein. Man sollte also ein gesundes Maß zwischen Planung und freiem Schreiben finden. Und die Methode von Dan Wells ist meiner Meinung nach dafür perfekt, denn man hat sieben wichtige Punkte, an denen man sich orientieren kann und die einem sagen, ob man noch auf dem richtigen Kurs ist. 

 

Über die Bittersweet Academy - Schreibtipps für Dich!

In der Bittersweet Academy stellen wir jeden Samstag einen neuen Beitrag zum Thema Schreiben und Autor werden online. Von der Planung bis hin zum Schreibprozess findest Du hier alles, was das Neuautorenherz begehrt.

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Alle Schreibtipps für Autoren findest Du auf der Übersichtsseite der Bittersweet Academy.

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