Stille deine Sehnsucht

Bittersweet Academy: Jennifer Wolf – Ideen, Einfälle und Inspirationen – einfach drauflosschreiben

Jennifer Wolf verrät Dir, was sich hinter dem Begriff "Discovery Writing" verbirgt und wie sie ihre Geschichten schreibt

Wenn Du ein neues Buch anfängst, schreibst Du einfach drauflos. Wie genau dürfen wir uns das vorstellen?

Zuerst schnappe ich mir immer eins meiner fertig lektorierten Impress Dateien und kopiere sie in meinen Ideen-Ordner. Dann lösche ich in der Kopie den ganzen Text raus, nenne sie um (meist hat es dann so einfallsreiche Namen wie: Dingsda, Gedöhns, Idee1, Idee2 usw.) und schreibe meinen Namen drauf. Das mache ich, um gleich die richtige Formatierung zu haben. Dann schließe ich einen Moment meine Augen, atme tief durch und lausche der Musik in meinen Ohren, die ich eigentlich sofort anschmeiße nachdem ich den Computer hochgefahren habe (gerade ist es Nickelback). Ich muss nie lange warten bis der Film vor meinen Augen beginnt und brauche dann nur noch hastig mittippen. Dafür öffne ich die Augen dann wieder. ;-)

Meistens habe ich schon eine Szene im Kopf oder einen Charakter. Das ist ganz unterschiedlich, aber es ist immer nur sehr wenig, was ich schon weiß, wenn ich loslege und oftmals ändert sich dann doch alles wieder.

Man muss bei dieser Art des Schreibens, dem "Discovery Writing", besonders darauf achten, dass man alle Fäden, die man in die Geschichte einspinnt, am Ende auch wieder zusammenzieht. Ich bin in dem Punkt auch eine absolute Chaotin und mache mir keinerlei Notizen dazu. Bisher hat es aber auch immer so geklappt. 

Hast Du schon einmal andere Methoden als das "Discovery Writing" ausprobiert?

Ja. Als mich Impress damals angeschrieben hat, ob ich was für sie schreiben möchte, hatte ich "Feuerherz" schon fast fertig und "Morgentau" lag in den Anfängen. Da ich euch nicht gleich verärgern wollte, habe ich das erste Mal eine Geschichte durchgeplant: "Morgentau".

Was soll ich sagen? Ich fand den Schreibprozess … langweilig. Da ich schon wusste was passieren wird, hat mich nichts überrascht. Natürlich habe ich noch mit den Liebenden mitgelitten, aber ich merkte immer wieder wie ich aus dem bekannten Trott ausbrechen wollte. Manchmal ist es mir gelungen, manchmal habe ich mich dann doch lieber dran gehalten. Mittlerweile kennt ihr mich und meine Arbeitsweise ja und ich kann wieder entspannt meinen Film laufen lassen, der selbst mich manchmal staunen lässt. Gerade jetzt bei "Nachtblüte" habe ich manchmal hier gesessen und gedacht: Das hast du jetzt nicht geschrieben? Das soll jetzt nicht heißen, dass ich das Schreiben von "Morgentau" total furchtbar fand. Es war nur anders und … ja, irgendwie nicht mein Ding.

Dann sind da noch die BitterSweets. "Just Friends" habe ich nach einem ausführlichen Ideen-Austausch mit meiner Lektorin geschrieben. Die Idee zu "Summer Boys <3" hattet ihr und habt euch von mir diese Geschichte gewünscht, die ich dann weiterentwickelt und mit Ian und Fynn zum Leben erweckt habe. Das war auch ein ganz anderes arbeiten, das kannst Du im Academy-Beitrag zu Kurzgeschichten nachlesen.

Hast Du am Anfang schon eine Idee, in welche Richtung Dein Buch geht?

Das ist immer unterschiedlich. Bei "Feuerherz" hatte ich nur den Charakter Lissy im Kopf und einen Jungen mit Schokoaugen. Als ich die ersten Zeilen schrieb, spoilerte mich mein Hirn schon mit der Idee des Fabelwesens, welches ich Ilian dann verpasste. Ich wusste, dass es – wegen Lissy – lustig werden soll, also könnte man schon sagen, dass ich eine grobe Richtung im Kopf habe, aber bei mir kann man nie sagen was am Ende herauskommt.

Hast Du Passagen schon verworfen, weil sie doch nicht so gut passten?

Oh ja, ich habe so gut wie zu jedem Buch Outtakes. Ich glaube, das ist gerade bei dieser Art des Schreibens normal, denn bei "Morgentau" sind es verdächtig wenige. Manchmal verrennt sich die Geschichte, wird vielleicht sogar unlogisch, dann muss man daran herumdoktern. Dabei entstehen dann die ein oder anderen Lost Pages. :-)

Mein bestes Beispiel dafür ist das Buch, was ich in einem Kleinverlag habe. Bei meinen Engeln gibt es eine zweihundertseitige Urversion, in der außer der Namen der Protagonisten alles anders ist. Ein einziges, großes Outtake.

Viele löschen solche Dinge, aber ich hebe sie mir immer gerne auf. Von der Sanguis-Reihe habe ich alleine schon durch das Kürzen im Lektorat pro Buch um die hundert bis zweihundert Seiten Outtakes. Das sind dann aber vereinzelte Szenen und Sätze. Jeder Teil für sich war einfach zu lang. Dann habe ich gerade bei der Reihe ganz viele einzelne Szenen, die einfach nirgendwo mehr reingepasst haben und die ich nur für meine Betaleser damals geschrieben habe. Sei es ein Osterfest, Weihnachten oder eine Aufführung von "Tanz der Vampire" in der ein ziemlich nervöser Elias den Grafen spielen muss.

Was ist der Vorteil Deines Schreibprozesses?

Für mich liegt es ganz klar daran, dass es für mich nie langweilig wird. Ich bin auch jemand der nur sehr selten ein Buch zwei Mal liest. Höchstens mal hier und da eine Passage, die mir gut gefallen hat. Ich lese gerade aus einer erfolgreichen Reihe einen Band aus Sicht des männlichen Teils. Ich komme einfach nicht voran, weil ich es so doof finde, dass ich die Story schon kenne. Ich mag einfach wenn noch alles offen, alles möglich ist. Ich liebe ja besonders Nebencharaktere und ich mag den Gedanken, dass ich die Geschichte jederzeit mit einem neu dazu erfundenen Charakter aufpeppen kann.

Wie oft liest Du Deine Geschichte noch Korrektur?

Ich lese schon während des Schreibens immer mal wieder drüber, dann wenn ich fertig bin und natürlich im Lektorat noch ein paar Mal. Allerdings wird man für die eigenen Texte sehr schnell Betriebsblind. Deswegen habe ich Betaleser und natürlich die Lektoren bei Impress/Bittersweet.

Ist Drauflosschreiben eine gute Methode für Anfänger?

Hmm, gute Frage. Auch wenn ich so angefangen habe, ist es vielleicht nicht gerade der einfachste Weg. Für viele wäre es sicherlich besser sich vorher ein Gerüst zu machen, an dem sie sich entlang hangeln können. Gerade wenn sie merken, dass sie in der Geschichte öfters stecken bleiben. Ich denke, das kommt sehr auf den Typ an. Im Grunde sollte man so schreiben wie es einem selbst Spaß macht, denn schließlich soll es das dem Leser ja auch machen und der merkt schnell, wenn etwas lieblos dahin geklatscht wird. Ich finde, man sollte beides mal ausprobieren und sehen, was einem liegt.

 

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