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Bittersweet Academy: Jennifer Wolf: Eine Kurzgeschichte schreiben

Jennifer Wolf hat drei Kurzgeschichten für Impress und Bittersweet geschrieben. Uns verrät sie, welche Tipps und Tricks es bei Kurzgeschichten gibt.

Viele denken, es wäre viel einfacher eine Kurzgeschichte zu schreiben als ein ganzes Buch. Was sagst Du dazu?

Sie ist vielleicht schneller geschrieben, eben weil sie kürzer ist, das muss aber nicht heißen, dass es auch einfacher ist. Im Gegenteil. Wo man sich im Roman Zeit lassen kann, muss man in einer Kurzgeschichte alles in kürzester Zeit transportieren. Der Protagonist muss lieb gewonnen werden und, bei romantischen Geschichten, natürlich auch das Objekt der Begierde. :-) Die Story darf absolut überhaupt keine unnötigen Längen haben und darf aber trotzdem nicht zu schnell vorpreschen. Das ist schon irgendwie ein Drahtseilakt. Ich kenne viele Autoren, die von sich sagen, dass sie keine Kurzgeschichte schreiben könnten. Eben weil dieses Kurzfassen eine Kunst an sich ist.

 

Warum schreibst Du Kurzgeschichten und Romane und was schreibst Du lieber?

Kurzgeschichten habe ich zuerst geschrieben. Wobei hier die Betonung auf KURZ liegt. Sie waren immer nur so um die sechs Seiten lang und mehr einzelne Szenen als abgeschlossene Geschichten. Dann habe ich angefangen Romane zu schreiben und war immer der Meinung, dass mir das mehr liegt und ich mich gar nicht mehr kurzfassen kann. Als ihr von Bittersweet dann mit der Idee der BitterSweets auf mich zukamt und meintet: Jenni, schreib uns mal was Lustiges, aber bitte nur so um die fünfzig bis achtzig Seiten, habe ich erst mal geschluckt. Ich habe das aber als Herausforderung an mich und meine Fähigkeiten gesehen und mir dann eine der Ideen aus meinem Pool an Einfällen gezogen, die mir schon immer total am Herzen gelegen hat. Zum Glück fandet ihr die auch toll :-) So wurden die Festung-Zofia und Sean mit den doofen Haaren geboren und blieben vielleicht nicht nur "Just Friends".  

Im Großen und Ganzen muss ich aber sagen, dass ich lieber Romane schreibe. Eine Kurzgeschichte ist immer wieder eine nette Abwechslung und eine kleine Herausforderung.

Da fällt mir ein, dass ich sogar davor schon eine Kurzgeschichte für die Impress Weihnachtsanthologie geschrieben habe. Da die aber in der Welt meiner Sanguis-Reihe spielt und ich mich darin wahnsinnig gerne aufhalte, ist die so einfach durchgeflutscht. :-) Sie war auch bei weitem nicht so lang wie ein BitterSweet und die Charaktere waren bekannt. Somit ist sie keine wirklich eigenständige Geschichte.

 

Was ist die besondere Schwierigkeit bei Kurzgeschichten?

Ich kann jetzt immer nur von romantischer Literatur sprechen, denn nur damit habe ich Erfahrung. Zum Glück hatte ich in der lieben Pia (Lektorin bei Impress) bei euch gleich eine gute Ansprechpartnerin als es um die Entwicklung von "Just Friends", meinem ersten BitterSweet, ging. Sie gab mir ein paar wichtige Tipps, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Tipp 1:

Wenige Charaktere – Die Hauptprotagonisten und so wenig wie möglich Nebendarsteller.

Das ist wichtig, denn man hat nur wenig Zeit Sympathien zu gewinnen und die brauchen unbedingt die Hauptakteure. In einem Roman hat man Zeit alles langsam einzuführen, doch in einer Kurzgeschichte sollte zumindest der Protagonist am besten von Anfang an Gummipunkte sammeln.

Tipp 2:

Eine kurze, überschaubare Timeline.

Im Handlungsstrang sollten keine Monate zurückgelegt werden. Am besten nur wenige Tage, maximal eine Woche. Das komprimiert schon ein wenig die Möglichkeit an Handlungen und zwingt einen sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Dieser Punkt ist nicht unbedingt zu beachten, aber er hilft ungemein, wenn man das erste Mal versucht eine Kurzgeschichte zu schreiben.

Tipp 3:

Stell Dir vor es wäre ein abgeschlossener Film.

Eine Kurzgeschichte soll zwischendurch, an einem Abend wo nichts im Fernsehen läuft oder während einer Bahnfahrt konsumiert werden. Die Lesezeit soll ungefähr so ein bis zwei Stunden betragen und das ist mit einem Film zu vergleichen. Mir hat es geholfen mir beim Schreiben diesen Film vorzustellen, denn der kämpft mit den gleichen Schwierigkeiten wie eine Kurzgeschichte. Er darf keine unnötige Handlung haben, muss innerhalb kurzer Zeit unterhalten und hat nur wenig Zeit die Hauptakteure glänzen zu lassen.

Wenn man sich daran hält, dann kann man damit ganz gut die Klippen umschiffen.

 

Ist schon einmal aus einer Kurzgeschichte von Dir doch ein ganzer Roman geworden oder andersrum?

Ja, "Morgentau" war ursprünglich eine Kurzgeschichte. Kürzer als ein BitterSweet. Sie ist im ersten Impress Magazin letzten Monat erschienen. Ich war aber nie ganz glücklich mit ihr und war froh, dass ich daraus dann doch noch ein ganzes Buch machen konnte und durfte. Irgendwie hat sie für mich als Kurzgeschichte nicht funktioniert.

Andersrum ist mir noch nicht passiert.

 

Was ist der Vorteil von Kurzgeschichten?

Dass man sie "mal eben" lesen kann. Sie haben keine Cliffhanger, sind kurzweilig. Das richtige um sich vielleicht nach einem langen Arbeitstag oder während einer ansonsten langweiligen Bus- oder Bahnfahrt zu unterhalten und entspannen.

 

Stimmt es, dass Kurzgeschichten von Verlagen nicht so gern veröffentlicht werden?

Kurzgeschichten finde ich – vom Verlag veröffentlicht – außer bei den BitterSweets eigentlich immer nur in Anthologien. Letzteres machen ja eher kleinere Verlage, das dafür aber sehr gerne. Also kann ich nicht behaupten, dass Verlage sie nicht so gern veröffentlichen. Von größeren Verlagen sieht man sie seltener oder eher als Zusatzmaterial zu einem vorhandenen Roman. 

In den USA haben sie einen größeren Markt und es heißt, dass das auch bald zu uns herüber schwappt. Dort hat man die Kurzgeschichte zu schätzen gelernt.

Bei den Selfpublishern sieht man sie auch immer häufiger und die können in der Regel einfach viel schneller auf den Markt reagieren.

 

Können auch Anfänger Kurzgeschichten schreiben?

Natürlich. Ich halte das sogar für eine ganz gute Übung in Sachen Spannungsbogen. Nirgendwo muss man mehr drauf achten als in einer Kurzgeschichte. Vielleicht hilft das auch für den ersten eigenen Roman? Wenn man hingeht und die Geschichte, die einem im Kopf herum geistert, erst mal als Kurzgeschichte aufschreibt und dann, wenn alles daran stimmt, hingeht und sie ausschmückt? Ich glaube, das könnte ganz gut funktionieren. 

 

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