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Bittersweet Academy: Martina Riemer - In verschiedenen Genres schreiben

Martina Riemer verrät Dir, wie das Schreiben in verschiedenen Genres klappt!

Viele Autoren bleiben immer einem Genre treu. Du schreibst in verschiedenen Genres. Was reizt Dich daran?

Da ich auch Vielleserin bin und gerne in den verschiedensten Gernes lese, weil es mir ansonsten schnell zu langweilig wird und ich die Abwechslung brauche, ist es naheliegend, dass es mir beim Schreiben ähnlich geht. Ich möchte mich ehrlich gesagt gar nicht nur auf ein Genre festlegen, weil ich mich damit selbst beschränke. Und da ich eben gerne alle möglichen Genres lese, schreibe ich auch in verschiedenen Genres. Der Grund dafür ist einfach: Weil es viel mehr Spaß macht, mehr Fantasien und Träumereien zulässt. 

Womit hast Du angefangen und wie bist Du darauf gekommen, doch noch etwas anderes auszuprobieren?

Angefangen habe ich bei "Glasgow Rain" mit einer Mischung aus YA Contemporary Romance gepickt mit ein paar kleinen Thrill-Elementen. Der Krimianteil ist dadurch entstanden, weil ich damals eine reine Liebesgeschichte zu langweilig fand und es gut zum regnerischen Wetter und der mysteriösen Stimmung in Glasgow gepasst hat. Hier hatte ich ehrlich gesagt wenig Plan, bevor ich mich an das Schreiben gesetzt habe, wohin mich die Reise führt. Das alles hat sich über zwei Jahre hin selbst entwickelt, verändert und strukturiert. 

Eigentlich war dieses Buch bei der ersten Idee noch in einer High-Fantasywelt angesiedelt, da ich damals nur Fantasy gelesen habe. Doch dann habe ich gemerkt, dass der Fantasyanteil einfach nicht in die Geschichte passt. Deswegen die Änderung des Konzepts und des Schauplatzes. Aber für mich war immer klar, dass ich auch Fantasy schreiben möchte, nur musste ich mich erst dazu aufraffen und mich vor allem auch trauen

Hast Du ein Lieblingsgenre?

Beim Schreiben: In welchem Genre ich mir beim Schreiben leichter tue oder mir mehr liegt, weiß ich selbst nicht so genau. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass mir die Contemporary Romance Bücher leichter von der Hand gehen, weil man einfach so schreiben kann, ohne zu viel darüber nach zu grübeln. Bei Urban Fantasy sieht die Sache aber ganz anders aus, da man hier viel mehr recherchieren muss und es viel mehr Verknüpfungen, Rätsel und dergleichen gibt. Daher, hm, kann ich die Frage leider nicht eindeutig beantworten. 

Contemporary Romance fühlt sich beim Schreiben zwar "leichter" an, aber Ideen hätte ich im Genre Urban Fantasy eindeutig mehr, weil man auch hier viel mehr Möglichkeiten und Freiheiten hat, was mir ja wie gesagt gut gefällt und auch so viel Spaß macht. ^^

Beim Lesen: Ich wechsle häufig die verschiedensten Genres ab, damit keine Leseunlust oder Langeweile entsteht. Einmal lese ich Contemporary Romance, dann wieder Urban Fantasy und auch hier wild durchgemischt einmal für Jugendliche oder Erwachsene, je nach Stimmung. High Fantasy oder Dystopien lese ich auch manchmal, und ganz selten historische oder Chick-lit Bücher. Was ich seit Jahren gar nicht mehr lese sind Thriller oder Horrorbücher, was ich früher aber getan habe und vielleicht wieder einmal die Lust darauf bekomme. Ganz neu für mich entdeckt habe ich vor kurzem das Genre Gay Romance, bei dem ich in Zukunft sicherlich noch mehr lesen werde. Ich möchte einfach offen bleiben für die meisten Genres.

Was ist Deiner Meinung nach die Herausforderung, wenn ein Autor in mehreren Genres schreibt?

Ich denke, es ist für jeden Autor sicherlich eine riesige Überwindung, sich an andere Genre zu wagen, da man nie weiß, wie ein anderes Genre bei den Lesern ankommen wird, die ein Buch mochten. Zusätzlich kommen hier auch einige Selbstzweifel dazu, ob auch das andere Genre gut angenommen wird oder man womöglich Leser vergrault, die nur in einem bestimmten Genre lesen. Hier muss man einfach auf sich selbst hören und sich fragen, ob man das wirklich riskieren will. Daher sehe ich die Herausforderung nicht im Schreiben selbst, sondern in der Überwindung, diesen Schritt zu wagen, da es immer ungewiss ist, wie die Leserschaft darauf reagiert.

Unterscheidet sich Dein Schreibprozess je nach Genre?

Ich achte vor allem darauf meinen Schreibstil je nach Genre zumindest ein klein wenig anzupassen. Ich versuche Fantasygeschichten von der Schreibweise her etwas ausufernder, träumerischer zu gestalten, mit vielen Farben und Bildern und eben mit diesem gewissen Zauber, der nach Glitzer und Regenbögen verlangt. ;)

Bei zeitgenössischen Liebesgeschichten finde ich es besser diesen ganzen Schnickschnack wegzulassen, mehr auf die natürlichen Gefühle einzugehen und auch die Dialoge "echter" wirken zu lassen mit weniger Luftschlössern und herber/ direkter in der Sprache. Von meinem Gefühl her redet zB. ein 20-jähriger Typ in einer "echten" Welt anders als ein Krieger aus einer Fantasygeschichte. :D Aber das ist meine Meinung, andere machen hierbei vielleicht keinen Unterschied.

Daher finde ich das auch mitunter am schwierigsten: bei seinem Schreibstil zu bleiben, aber doch eine gewisse Abstufung zwischen den verschiedenen Genres zu präsentieren. Und ganz klar, im Genre Fantasy hat man zwar mehr Freiheit, muss aber auch mit neuen Ideen aufwarten, was bei einer normalen Liebesgeschichte nicht der Fall ist, da man hier schwer das Rad komplett neu erfinden kann. ^^

Was sagen Deine Fans dazu? "Verführst" Du sie zu anderen Genres und gefällt ihnen das?

Diese Frage habe ich auf Facebook weitergegeben und meinen Lesern gestellt und die Antworten waren durchwegs positiv. Die meisten sind außerdem der Ansicht, dass sie von einen liebgewonnen Autor auch andere Genres lesen möchten und das auch schon getan haben. Einige konnte ich damit "verführen" bzw. sie ein wenig von ihrem gewohnten Beuteschema abbringen. 

Wenige haben aber auch klipp und klar gesagt, dass sie ihr bevorzugtes Genre bisher noch nicht gewechselt haben, sie aber neugierig sind und überlegen, ein Buch von mir in einem anderen Genre noch zu lesen. Das hat mich natürlich sehr gefreut. :)

Wobei mir in diesem Zusammenhang aufgefallen ist, dass Contemporary Romance-Leser eher auch zu Fantasy greifen, als sich Fantasy-Leser zu einer "normalen" Liebesgeschichte überreden lassen. Das fand ich persönlich als Fazit meiner Umfrage sehr interessant. 

Sollten Schreibanfänger lieber erst einmal bei einem Genre bleiben?

Dieser Meinung bin ich nicht. Wenn man zuerst einmal 2-3 Romane in einem bestimmten Genre veröffentlich hat, ist der Wechsel sowohl für einen selbst als auch für die bereits gewonnene Leserschaft viel schwieriger, als wenn man gleich von Beginn an flexibel ist und mehrere Genre bedient. Aber wie alles im Leben ist es eine Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss und hier ist oftmals das Bauchgefühl die beste Hilfe, um sich diese Frage zu beantworten.  

 

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