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Bittersweet Academy: Sarah Wedler und Nadine d‘Arachart: Autorenduo - zu zweit ein Buch schreiben

Sarah Wedler und Nadine d'Arachart schreiben ihre Bücher zusammen und beantworten bittersweet, wie es ist zu zweit zu schreiben

Ihr schreibt eure Geschichten zusammen. Das ist ungewöhnlich und klappt aber trotzdem super, wenn man eure Bücher so durchliest! Wie seid ihr darauf gekommen und wie lange macht ihr das schon?

Sarah: Wir schreiben schon gemeinsam, seit wir 12 Jahre alt waren! Damals haben wir beide das Buch „Drachenfeuer“ von Wolfgang Hohlbein gelesen und wurden riesige Fans. Die Figuren und die ganze Welt, in der das Buch spielt, haben uns so gepackt, dass wir einfach traurig waren, als es vorbei war. Also haben wir dann beschlossen, selbst eine Fortsetzung zu schreiben, und so fing das Ganze an. Wir haben etwa 30 Seiten und ein selbst gemaltes Cover zu Papier gebracht, alles in eine Mappe geheftet und es Wolfgang Hohlbein dann auf einer Lesung überreicht, und eigentlich wäre die Sache dann erledigt gewesen…

Nadine: Aber das Schreiben hat uns nicht wieder losgelassen. Kurz darauf haben wir dann unsere erste eigene Geschichte gestartet, per Hand in bunte Notizbücher. An dieser schreiben wir heute noch und sie füllt mittlerweile mehrere Hundert Notizbücher.

Wer von euch hat die Ideen zu einem neuen Buch?

Sarah: Meistens ist das Nadine. Die Geschichte unserer Niemandsland-Trilogie hat sie beispielsweise geträumt. :-) Das war ein lustiger Zufall, denn wir hatten zu dem Zeitpunkt eigentlich gar nicht vor, mal etwas aus dem Fantasy-Bereich zu schreiben. Trotzdem haben wir die Idee vorsichtshalber aufgeschrieben… und wenige Wochen später sind wir dann bei Impress gelandet und konnten sie gut gebrauchen!

Sitzt ihr immer zusammen oder schreibt ihr getrennt voneinander?

Nadine: Das ist ganz unterschiedlich. Normalerweise sitzen wir zusammen, aber wenn die eine mal was vorhat und die andere währenddessen schreibt, klappt das auch. Wenn es hakt, kann man einander ja Nachrichten schicken oder telefonieren. Außerdem kennen wir einander nach beinahe 20 Jahren Freundschaft recht gut und können uns oft schon denken, was die jeweils andere in einer brenzligen Plot-Frage für eine Entscheidung treffen würde. ;-)

Formuliert ihr zusammen oder schreibt ihr abwechselnd?

Nadine: Wir schreiben abwechselnd. Unsere Romane teilen wir nach Kapiteln oder nach Figuren auf, je nachdem, was sich mehr anbietet. Dabei hat jede ihre Schwächen und Vorlieben.

Sarah: Nadine ist besser im logischen Denken, daher schreibt sie häufig dramaturgisch knifflige Szenen oder Kapitel, in denen es darum geht, dass sich die Figuren mithilfe von Tricks aus schwierigen Situationen befreien.

Nadine: Sarah schreibt bevorzugt Männer und Bösewichte, weshalb die dann häufig auf ihrem „Tisch“ landen. Jedes Kapitel wird dann von der jeweils anderen überarbeitet und wieder zurückgeschickt… so lange, bis wir beide so weit zufrieden sind.

Könnt ihr euch auch vorstellen, nicht zusammen zu schreiben?

Sarah: Nein, gar nicht! Die Vorstellung, niemanden zu haben, mit dem wir unsere Kapitel besprechen können und der uns gleich ein Feedback gibt, finden wir ganz schrecklich. Auch das ganze Drumherum, also Lesungen, Buchmessen usw. ist für uns allein gar nicht vorstellbar. Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir zusammen mit dem Schreiben begonnen haben – andere könnten sich vermutlich nicht vorstellen, das alles immer zu zweit zu machen.

Gibt es auch mal Streit zwischen euch im Schreibprozess?

Sarah: Neeeee, natürlich nie. ;-)

Nadine: Also, doch, natürlich streiten wir uns auch mal. Häufig gibt es Punkte in unseren Büchern, von denen aus wir in zwei verschiedene Richtungen weiterschreiben wollen. Oder die eine hat etwas geschrieben und ist ganz froh damit, die andere findet es aber furchtbar. Dann muss man sich einig werden und irgendeinen Kompromiss finden, und da fliegen dann auch schon mal die Fetzen. Wir wissen aber, wie es gemeint ist und kommen gut damit klar, und am Ende können wir dann meistens beide darüber lachen!

Was ratet ihr den Autoren, die überlegen, zusammen zu schreiben?

Sarah: Macht das nur, wenn ihr euch wirklich gut kennt und versteht. Wir haben im Netz schon oft Aufrufe von Autoren gesehen, die einen Coautor suchen. Das kann unserer Meinung nach mit völlig Fremden aber nicht funktionieren, weil die Vorstellungen über ein gutes Buch dann vielleicht doch sehr auseinandergehen. Ihr solltet ähnliche Interessen haben, ähnliche Lieblingsbücher, eine gemeinsame Vorstellung von Dramatik, von der Art und Weise, wie ihr Geschichten erzählen wollt. Die Chemie muss stimmen, sonst verliert ihr euch in ewigen Diskussionen.

Nadine: Wir haben mal spaßeshalber versucht, eine Geschichte mit einer dritten Person zu schreiben, die wir nicht so gut kannten, und das war dann gleich eine ganze Ecke schwieriger! Wenn ihr euch nicht ganz allein an ein Buch traut, aber niemandem habt, der mitschreiben will, fragt doch eine Freundin, ob sie euch zur Seite steht, um die Handlung durchzudiskutieren und immer mal wieder Probe zu lesen – das hilft bestimmt besser als ein euch völlig fremder Mitschreiber. :-)

Ist diese Art des Schreibens auch was für Anfänger?

Nadine: Ich denke schon, denn wir haben ja auch gleich am Anfang zusammen geschrieben. Ich denke sogar, dass das ganz gut ist, denn dann kann man gleich einen gemeinsamen Stil entwickeln.

Sarah: Wichtig ist eben nur, dass man dran bleibt, und dabei hilft es, ein Thema zu finden, das beide total fasziniert. Wenn man das schafft, steht dem gemeinsamen Schreiben nichts im Wege, ob man nun schon Erfahrung hat oder nicht.

 

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