Stille deine Sehnsucht

Vertrauen und Verrat: Mein Leben in Demora

Hallo, ich heiße Sage. Mein Name steht für die Pflanze Salbei. Auch wenn mich dieser Name in Demora als ein uneheliches Kind kennzeichnet, trage ich ihn mit Stolz. Meine Mutter liebte Salbei – vor allem während der Schwangerschaft. Mein Vater meinte, ich hätte bei meiner Geburt nach Salbei geduftet und meine Haut war weich wie Salbeiblätter. So kam ich zu meinem Namen. Einmal ausgesprochen, gefiel meinem Vater kein anderer mehr. Man sagt, dass Salbei heilende Kräfte hat. Als Mutter starb, war ich die einzige Medizin, die Vaters Schmerz über ihren Tod lindern konnte. Heute bin ich 16 Jahre alt und mein Name ist das einzige, was mir von meinen Eltern geblieben ist. Seit mein Vater vor einigen Jahren starb, lebe ich in der Obhut meines Onkels Lord Broadmoor und seiner Frau. Sie geben sich Mühe, mir das Gefühl von Geborgenheit zu vermitteln, aber ich weiß, dass sie sich für meine einfache Herkunft schämen. Trotz all der Freiheiten und Vorzüge einer reichen Familie, fühle ich mich wie eine Gefangene. Ich muss hier raus, mein eigenes Leben leben und mein Schicksal selbst in die Hand nehmen.

Das Land Demora hat so viel zu bieten. Berge, die bis zu den Wolken ragen. Meere, die nirgends enden. Städte, die brummen wie Bienenkörbe. Große Kriege haben Demoras Königshaus gestärkt und der Bevölkerung Wohlstand und Sicherheit beschert. Arrangierte Ehen sind in diesem Land Tradition und ein mächtiges Werkzeug um Bündnisse zum Schutz vor feindlichen Invasoren zu schließen. Nicht alle Ehen sind politischer Natur, aber sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind von fremder Hand geplant! In Demora ist es Brauch, dass 16-jährige Frauen im Interesse der Familienehre und einer finanziell abgesicherten Zukunft von erfahrenen Hochzeitsvermittlern verkuppelt werden. Die Kupplerinnen genießen das höchste Ansehen und halten in ihren Händen das Glück eines jeden heiratsfähigen Mädchens aus gutem Hause. Oft sind sie die einzige Chance, einem Leben in Schande und Einsamkeit zu entgehen. So würde es zumindest mein Onkel ausdrücken. Eine Ehe ohne Liebe? Das wäre nichts für mich. Meine Eltern haben sich geliebt, ganz ohne Kupplerin, und das wünsche ich mir auch. Zumindest wenn ich irgendwann die Gelegenheit bekomme, hier zu verschwinden.

Ich lebe in einer kleinen Provinz. In einem 80 km Umkreis spielt sich bislang mein ganzes Leben ab. Es ist kein schlechtes Leben, aber dennoch bin ich nicht glücklich. Als meine Eltern noch lebten, war mein Leben unbeschwerter und glücklicher. Ich wurde geliebt und durfte ich selbst sein. Jetzt ist alles anders. Wenn ich mich einer Verkupplung verweigern will, brauche ich Geld, um mir meine Freiheit und meine Unabhängigkeit zu erkaufen. Ich muss eine Lehre beginnen. Es wird Zeit, dass ich mich meiner Zukunft widme!

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