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Bittersweet Academy: Als Buchhändlerin schreiben

Autorin und Buchhändlerin Marion Hübinger beantwortert bittersweet, wie es ist, als Buchhändlerin zu schreiben

Du bist Buchhändlerin, da ist die Liebe zu Büchern ganz offensichtlich. Wie bist Du zum Schreiben gekommen und wann hast Du damit angefangen?

Ich weiß nicht, ob die Liebe zum Lesen oder die zum Schreiben zuerst da war, auf jeden Fall hat beides in meiner Jugend ihren Anfang gefunden. Briefe waren mit Sicherheit das Allererste, das es von mir auf Papier gab. Dann folgten die ersten Tagebücher. Parallel arbeitete ich mich durch sämtliche Briefromane und Tagebüchern berühmter Autoren, an vorderster Front Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir. Später übte ich mich auch in Gedichten, weil mich die Lyrik vieler Dichter bewegte.

Wenn ich also darüber genauer reflektiere, dann frage ich mich, ob es einen Autor gibt, der nicht gern liest? Ich wäre verwundert, denn ich glaube, dass das Lesen auf jeden Fall die Welt der eigenen Fantasie beflügelt. Und die braucht man einfach zum Schreiben.

 

Als Buchhändlerin kennst Du immer die aktuellen Trends. Lässt Du Dich davon beeinflussen?

Wenn ich "nein" sagen würde, wäre das mit ziemlicher Sicherheit gelogen. Denn das Unterbewusstsein hat auch ein Wörtchen mitzureden. Sollte es also passieren, dass jemand Unmengen Vampirbücher verschlingt, kann seine Fantasie durchaus mit ihm durchgehen und er Lust bekommen, ein Vampirbuch zu schreiben. Das wäre nur nachvollziehbar. Nur könnte sich das als fataler Fehler herausstellen, denn bis das Buch geschrieben ist, einen Verlag findet und auch noch auf den Markt kommen soll, ist der Hype um Vampirbücher vielleicht längst erloschen und man hat am Trend vorbeigeschrieben. Natürlich kann es trotzdem ein wundervolles Vampirbuch sein! Doch an den Verkaufszahlen oder daran, dass die Verlage nicht sofort "hurra" schreien, könnte man sehen, dass Trends durchaus ein Wörtchen mitzureden haben.

Mein erstes Jugendbuch "Farben der Dunkelheit" lief gerade noch im Fahrwasser der Übernatürlichen Wesen mit, und ich hatte Unmengen davon gelesen. Also fühle ich mich dabei ertappt, unbewusst beeinflusst worden zu sein. Meine neue Serie "Soul Colours" hingegen landet ohne mein Zutun dort, wo es voll im Trend ist - zumindest hat mir das der Carlsen Verlag in der Vorschau bescheinigt. 

Darum mein Tipp an alle, die kreativ sind: Wenn man mit einer Trendwelle schwimmt, muss man sich sicher sein, trotzdem etwas Einzigartiges zu schreiben. Andernfalls sollte man den Mut haben, Neues zu wagen.

Ist es einfacher, ein Buch zu schreiben, wenn man auch im Beruf mit Büchern zu tun hat?

Ich würde sagen, das eine hat mit dem anderen nur bedingt etwas zu tun. Mir ist aber auf alle Fälle eine Hilfe, dass ich die Zielgruppe meiner Bücher durch meinen Beruf sehr viel besser kenne. Tagtäglich berate ich Kinder und Jugendliche in der entsprechenden Abteilung, rede über die Bücher, höre mir ihr Feedback an, lese und schreibe Rezensionen, und stelle enorm hohe Ansprüche an ein gutes Buch.

Darum würde ich als Fazit sagen, dass ich es mir eher schwerer mache, denn ich kenne bereits so viele gute Bücher und erwarte von mir vielleicht gerade darum viel zu viel. Das kann das Vertrauen in das eigene Können schmälern.

Als Idee kann ich nur mit auf den Weg geben, dass man sich seine Zielgruppe sehr gut ansehen sollte, um das Beste aus sich herauszuholen. Oder man schreibt einfach drauf los, so wie ich

Was sagt der klassische Buchhändler zu E-Books? Und um mit einem Vorurteil aufzuräumen: Kann man in seiner Buchhandlung um die Ecke Infos zu E-Books bekommen?

Eiskalt erwischt. Man könnte… im Prinzip… E-Books kaufen. Sogar wir hatten in unserer kleinen Buchhandlung eine Einweisung, doch es passiert einfach nie! Seit es E-Books gibt, habe ich es nicht erlebt. Aber ich spreche natürlich nur für die kleine Buchhandlung um die Ecke.

Dort, wo E-Book-Reader verkauft werden, gehört es natürlich dazu, sich damit intensiver auseinanderzusetzen, und ich würde mal wagen zu behaupten, dass man dort auch E-Books erhält.

Es war schon ein früher Wunsch, Buchhändlerin zu werden, weil ich Bücher über alles liebe. Aber wenn ich nicht selbst E-Books schreiben würde, wäre ich heute noch dort, wo die meisten Buchhändler mit Sicherheit stehen: skeptisch bis erzürnt, weil das E-Book Geschäft an den Grundfesten des klassischen Buches kratzt.

Ich musste erst Autorin bei Carlsen impress werden, um zu erkennen, dass das E-Book auch als Bereicherung angesehen werden kann. Zum einen aus ganz praktischen Gründen, weil der Vielleser jetzt auch viel mehr Bücher in den Koffer packen kann. Des Weiteren kenne ich immer mehr ältere Menschen, die E-Books lesen, weil sie sich nicht mehr dem Diktat der Verlage unterziehen wollten, das die eher bescheidene Auswahl an Großdrucktiteln ihnen vorgab. Jetzt können sie bequem und in komfortabler Schrift auch den aktuellen Bestseller sofort lesen und mitreden. Das nenne ich einen Gewinn.

In meinen Augen ist das E-Book keine Konkurrenz zum Buch, sondern erschafft neue Räume, neue Träume und neue Leser. Denn mit Sicherheit gibt es Leser, die eher selten eine Buchhandlung betreten, sich aber bequem von zuhause aus ein E-Book herunter laden. Ich fürchte, jetzt beschwöre ich so einige Kritik meiner Kollegen und Kolleginnen im Buchhandel hervor. Aber ich versuche einfach so offen wie möglich für diese Veränderungen zu sein.

 

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